Hungrige Könige

Monatstipp Januar 2006

Karl Otto Mühl: Hungrige Könige

Verlag: Nordpark
rezensiert von Christian Oelemann

Nicht immer, wenn Lyriker Romane schreiben, kommt dabei etwas Anregendes heraus. Meist sind wir von der Langweiligkeit so genannter Dichterprosa deprimiert.
Das verhält sich im Fall Karl Otto Mühl (der obendrein noch zu den wichtigsten Daramtikern der Nachkriegszeit zählt) völlig anders. Schon seine Romane „Siebenschläfer“ und „Trumpeners Irrtum“ begeisterten durch ihre witzige Klugheit und ihre fein geschliffene Sprache. Nun hat Mühl seinem bisherigen Gesamtwerk die Königskrone aufgesetzt. „Hungrige Könige“ heißt sein neuer Geniestreich.
Haben Könige nicht wohlgenährt und satt zu sein? Nicht bei Karl Otto Mühl. Seine Könige sind durchschnittlich wie du und ich. Na ja, vielleicht eher wie du. Ich möchte so ein König nicht sein. Aber weiß man`s?
Jedenfalls hoffe ich, dass diese Geschichte nicht in die Hände von Königinnen fällt, denn möglicherweise würden sie uns hernach nur noch mit Misstrauen betrachten.

Bekanntlich hadere ich bei den zum Tipp des Monats gekürten Büchern meist mit ihren Klappentexten. Der Nordpark-Verlag hat es indes geschafft, nicht zu wenig und nicht zu viel zu verraten, und deshalb zitiere ich ausnahmsweise:
„Jürgen Demessieur ist Leiter der Arbeitsvorbereitung in der Pumpenproduktion. Wenige Jahre hat er noch zu arbeiten, und bei Emdenbourg ist man zufrieden mit dem fleißigen Mann, der nichts mehr hasst, als anzuecken. Alles deutet auf einen biederen Ruhestand hin - Ehefrau, zwei Kinder, Enkel, Reihenhaus, Turnverein und gelegentliche Kuren. Der Traum vom kleinen Glück ist nah, doch dann kommt Demessieur der dichtende Werkschützer Horst Zajonski mit seiner Gier nach Anerkennung in die Quere, und plötzlich ist es aus mit der Beschaulichkeit.“
Karl Otto Mühl erzählt ohne Pathos, doch empathisch und humorvoll von der schwierigen Freundschaft zweier Männer, die verschiedener kaum sein könnten und doch einander in ihrer Weltfremdheit und ihrer Sehnsucht nach dem richtigen Leben über den Tod hinaus verblüffend ähneln.“

Ein Roman über das Thema „Stirb und werde“! Ein Roman über zwei Männer in den besten Jahren. Ein Roman über Geltungssucht und Liebeshunger. Ein Roman über Männerphantasien und: Ein Roman über die Liebe.
Ich habe während der Lektüre oft lachen müssen, und das Lachen ist mir nicht einmal im Halse stecken geblieben – auch wenn es um das traurigste menschliche Thema überhaupt geht: Scheitern. Mag sein, dass es Ihnen anders ergeht, vielleicht werden Sie eher weinen. Aber lesen sollten Sie dieses Meisterwerk eines Sprachmagiers auf jeden Fall. Es sei denn, Sie sind eine Königin!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann