Rupien! Rupien!

Monatstipp Februar 2006

Vikas Swarup: Rupien! Rupien!

Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Schon einmal, im Januar 2004, präsentierte ich Ihnen als Tipp des Monats das Werk eines Diplomaten. Damals war es Asfa-Wossen Asserate mit seiner glänzenden Studie „Manieren“.

Heute möchte ich meiner Begeisterung für Vikas Swarup Luft machen, der wie Asserate die halbe Welt bereist hat, und zwar für Indien.

Zugegeben, außer Arundathi Roys „Der Gott der kleinen Dinge“ hatte mich zuvor noch kein Werk so richtig begeistert, dass aus Indien stammte. Zu fern, zu fremd sei mir der Subkontinent, hatte ich irrtümlich angenommen. „Rupien, Rupien“ hat mich eines Besseren belehrt. Ein unglaublich unterhaltsamer, spannender, mitunter schreiend komischer aber auch aufrüttelnder Roman, lesbar nicht nur für Hochschulabsolventen sondern für jeden, der gerne in eine andere Welt eintaucht.

Ram Mohammed Thomas, der Held in "Rupien! Rupien!", ist Kellner. Von ihm erwartet niemand, dass er irgendetwas von der Welt gesehen hat. Schon gar nicht, dass er in der Fernsehshow "Wer wird Milliardär?" den Hauptgewinn absahnen könnte.

Doch Findelkind Ram, von einem britischen Priester aufgezogen und mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle von Hindus und Moslems auf Vornamen aus beiden Religionsgemeinschaften getauft, weiß die Antworten auf alle zwölf und sogar auf die regelwidrige dreizehnte Frage – nicht etwa, weil er besonders schlau oder ehrgeizig wäre, sondern weil das brutale indische Leben ihm mehr beigebracht hat als jedem anderen Kandidaten.

Er hat gewonnen, aber man will ihm seinen Gewinn nicht auszahlen, bezichtigt ihn stattdessen des Betrugs und steckt ihn ins Gefängnis.

Dort verrät er seiner Anwältin, warum er, der nicht einmal weiß, dass Paris die französische Hauptstadt ist, dennoch auf alle Quizfragen richtig antworten konnte.

Er erzählt ihr zwölf Geschichten, nimmt sie (und damit uns) mit auf seine Lebensreise nach Delhi, nach Agra, nach Bombay, zum Taj Mahal, in Diplomatenvillen und Lasterhöhlen übler Gesellen.

Verdammt viel hat er mitgemacht, mitmachen müssen. Ein weniger naiver Mensch hätte solch eine Jugend nicht schadlos überstanden. Um so mehr gönnen wir ihm sein Happy-End. Keine Sorge, ich habe jetzt nicht zuviel verraten.

Ja, am Ende bekommt er sein Geld, aber das ist es nicht, was „Rupien, Rupien“ so überaus vergnüglich macht. Swarups Erzählkunst ist es, die zwölf Geschichten sind es. Nach den knapp 350 Seiten hat man das Gefühl, 1000 Seiten gelesen zu haben, und liebend gern hätte man weitere 1000 vor sich.

Gönnen Sie sich Rupien, auch wenn Sie nicht im Sommer nach Indien reisen wollen!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann