Was du nicht willst

Monatstipp April 2006

Vonne van der Meer: Was du nicht willst

Verlag: Gustav Kiepenheuer
rezensiert von Susanna Erb

Nun schauen Sie mal, was passieren kann, wenn.
Haben Sie sich jemals bewusst gemacht, dass Sie Teil einer Kette sind, Rädchen im Schicksalsgetriebe, das Kausalitätsgesetz erfüllend?
Auf einer besseren Bühne habe ich es nie dargestellt gesehen:
Vonne van der Meer schickt uns eine Stimme aus dem Off mit Namen Engel,
die uns durch einen schicksalsschweren Tag führt.
Eine scheinbar harmlose Geste löst unerwartet Tragisches aus.
Schon im Begriff, die langjährig vertraute Morgenliebe zu zelebrieren, weist Edith, irritiert durch eine plötzlich aufflackernde unangenehme Erinnerung an ein Vortagesgespräch mit einer früheren Freundin, ihren Mann Berend zurück.
Berends enttäuschte Erwartung entlädt sich in einem Gefühlsgewitter, dessen Blitze und Donner in das Leben der Menschen zucken und rollen, die ihm auf dem Weg zur Arbeit und an seinem Arbeitsplatz, einem internationalen Transportunternehmen, begegnen.
Sein Kollege Jaap, der, gerade noch gut gelaunt und erwartungsfroh nun auf Berends Abweisung stößt, läßt seinerseits die gärende Galle auf die Sekretärin Carla tropfen, die wiederum Elly im Bewerbungsgespräch herablassend, demütigend behandelt, die bald auf das genau passende Opfer trifft, dem sie ihr Gift verabreichen kann.
So nimmt das Schicksal seinen Lauf und fügt Schneeball an Schneeball zu einer unheilvollen Lawine und fügt Funke an Funke zum Zündstoff für die unausweichliche Explosion.
Der Flügelschlag eines Schmetterlings hat einen Tornado ausgelöst.
Doch dann begegnet der junge Tycho, am Ende der Kette völlig gebrochen und zerschmettert, seinem leibhaftigen Engel Brenda, die von der guten Laune des mittlerweile versöhnten Berend profitiert und die Tycho, ihrer durch Berends Großzügigkeit angestoßenen Freude folgend, ihr Herz anbietet.
Am Abend kehrt der Engel zum Anfang zurück und steigt aus, nachdem der morgendliche Stein des Anstoßes sich zur Flamme der Umarmung gemausert hat.
Bravo, Vonne van der Meer! Bravo!
Die Inszenierung ist Ihnen wunderbar gelungen! Der Sog ist einzigartig, und niemand kann sich dem Gefühl entziehen: Ich stecke selbst mittendrin.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann