Zu Gast bei Dr. Buzzard

Monatstipp Juni 2006

Hans Werner Kettenbach: Zu Gast bei Dr. Buzzard

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann

Ganz zum Spaß und aus statistischer Neugier habe ich das Archiv der Bücherstuben-Tipps aufgesucht. Eine gewissenhafte Recherche ergab, dass Hans Werner Kettenbach mit diesem Tipp einen Hattrick zu verbuchen hat. Drei Treffer also, auch einmal ganz ohne Fußball. Der jetzt 78jährige Autor begann seine schriftstellerische Tätigkeit erst mit Beginn seiner fünften Lebensdekade und legt mit „Zu Gast bei Dr. Buzzard“ seinen 13. Roman vor. Alle können sich sehen und lesen lassen.
Das Anfangsszenario des Roman stellt sich so dar: Hans Schumann besucht als Repräsentant eines renommierten deutschen Architekturbüros einen Kongress in Savannah/Georgia. Zu seinen Aufgaben gehören die Verhandlungsgespräche hinsichtlich der Akquisition eines bedeutenden Bauauftrags. Schumann und seine Frau werden von einem befreundeten Ehepaar in den Süden der USA begleitet. Doch schon nach kurzer Zeit ist die jeweils andere bessere Hälfte spurlos verschwunden. Der verwirrte Architekt sieht sich alleingelassen mit Lilly Hanebeck, der Lebensgefährtin seines Freundes. Jeder erklärt sich den Verlust des jeweiligen Partners auf ganz unterschiedliche Weise.
Kettenbach, der von Kritikern in eine Reihe gestellt wird mit Ambler, Simenon und Highsmith, erweist sich auch dieses Mal als Meister des Psychogramms. In seinem unverwechselbaren Stil widmet er sich immer wieder den Anti-Helden. Abweichler und Gutmenschen sind aus dem Holz, das er gerne auf ein Neues bearbeitet. Ihm gelingt Beachtliches: Gleichviel, ob wir das Treiben der Protagonisten mit Faszination oder sogar Ekel verfolgen, erklärt uns der Autor, warum sie so handeln. Das millimeterweise Sezieren der Akteur-Seelen bereitet Freude. Schumann, nur selten um eine Antwort verlegen, kann sich auf das offensive Werben von Lilly Hanebeck keinen Reim machen. Ihre „Reize“ reizen ihn nicht, sie treiben ihn geradezu in den Wahnsinn. Eingedenk der Kulisse dieses Romans könnte dieser Sommernachts(alb)traum seine Wurzeln in geheimen Voodoo-Praktiken finden. Schumann beginnt, verstärkt in diese Richtung zu ermitteln ...
Kein „Kettenbach“ gleicht dem vorhergehenden. Und entdeckt man den Autor erst jetzt, auch bestens. Reinen Gewissens preise ich ihnen mit dem Bücherstuben-Tipp-Juni 2006 (schon bald währt diese Tradition 10 Jahre !!!) Literatur vom Feinsten an. Mich hat sie wunderbar unterhalten. Und genau das wünsche ich Ihnen jetzt auch.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann