Das Wetter vor 15 Jahren

Monatstipp Oktober 2006

Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren

Verlag: Hoffmann und Campe
rezensiert von Christian Oelemann

Mein Tipp für den Oktober ist der Salzburger Autor Wolf Haas. Wenn Sie komische Krimis auf sprachlich hohem Niveau schätzen, sollten Sie unbedingt die Romane um den Privatdetektiv Brenner lesen. Köstlich, ich verspreche es. Allesamt!
Hier aber geht es nun um das neuste Werk des großartigen Schriftstellers, das den Titel „Das Wetter vor 15 Jahren“ trägt. Haas hat dafür bereits den Wilhelm Raabe Literaturpreis erhalten – völlig zu Recht.
Dass es sich jedoch um einen Liebesroman handelt, wie ich in diversen Rezensionen lesen musste, ist meiner Meinung nach Unsinn.

„Das Wetter vor 15 Jahren“ handelt zwar von einem Liebespärchen, doch das macht das Buch längst nicht zu einem Liebesroman. Was wir vor uns haben, ist ein Musterbeispiel für literarische Hochkomik.
Sie brauchen das Buch nur aufzuschlagen und ahnen bereits, dass Sie veräppelt werden.
Statt einer stringent erzählten Story finden Sie ein Interview vor, einen Dialog.
„Literaturbeilage“ plaudert mit „Wolf Haas“ über seinen neuen Liebesroman „Das Wetter vor fünfzehn Jahren“, und im Grunde wird vorausgesetzt, dass Sie den Inhalt der Romanze bereits kennen. Das ist natürlich nicht der Fall, und so erschließen Sie sich den Inhalt des Romans durch die lakonischen Antworten des „Wolf Haas“. Aber seien Sie versichert, der Inhalt der Liebesgeschichte ist eher nebensächlich. Mit wenigen Worten ließe er sich folgendermaßen skizzieren:

Seit fünfzehn Jahren studiert Vittorio Kowalski wie besessen das Wetter in einem fernen Alpendorf. Er kennt die Hoch- und Tiefwetterlagen eines jeden Datums, die täglichen Luftdruckschwankungen, Niederschlagsmengen und Sonnenscheindauern. Eines Tages wird er mit seinem Spezialwissen sogar Wettkönig bei »Wetten, dass ..?«. In dem achthundert Kilometer entfernten Urlaubsort seiner Kindheit sitzt derweil eine junge Frau vor dem Fernseher, die den schüchternen Wettkandidaten nach 15 Jahren wiedererkennt. Sie war die Tochter der Zimmervermieter, Vittorio der Sohn der deutschen Urlaubsgäste. Die beiden Kinder verbrachten jeden Sommer gemeinsam – bis sie in ein Jahrhundert-Unwetter gerieten, das sie für immer trennte.

„Das Wetter vor 15 Jahren“ ist eine höchst vergnügliche, intelligente Abrechnung mit dem deutschsprachigen Literaturbetrieb. Schon lange hat mich kein Buch mehr so zum Lachen gebracht.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann