Ein Freund der Erde

Monatstipp Februar 2007

T. C. Boyle: Ein Freund der Erde

Verlag: Hanser Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Sicherlich erinnern Sie sich an den Juli 2005, als ich zuletzt einen Roman des wunderbaren Erzählers T. C. Boyle zum Tipp des Monats kürte: „Dr. Sex“ nämlich. Damals kannte ich noch nicht seinen unglaublichen Roman „Ein Freund der Erde“, der bereits 2001 im Hanser Verlag erschienen war. Nicht schlimm, denn heute ist der aktueller denn je – man muss nur die täglichen Schlagzeilen über die sich anbahnende Klimakatastrophe zur Kenntnis nehmen.
Boyle zeigt uns die Konsequenzen unserer Luxusgesellschaft mit Sprachgewalt und trotz des ernsten Themas mit köstlichem Humor.

Ty Tierwater, die Hauptfigur des Buches, ist ein gealterter Aktivist und hat Ähnlichkeiten mit Boyle aus seiner Aktivistenzeit: "Er spürte die Musik - er sah sie geradezu - und sie trug ihn zurück in eine Zeit, als Jane und er geblümte Hemden getragen hatten und Hosen mit derartig weitem Schlag, dass sie wie flatternde Segel wirkten, eine Zeit, als sie überall dabei waren und nie lange darüber nachdachten. Damals waren Drogen ein Teil seines Lebens gewesen. Und Protestaktionen. Politischer Protest. Flaggen verbrennen. Parolen johlen. Das Gesicht anmalen, einfach weil es geil war."

Nicht nur angesichts der amerikanischen Energiekrise und des ungebremsten Raubbaus der Holzindustrie wird die erschreckende Nähe von Boyles Roman zur Wirklichkeit deutlich.
Doch gegen das übermächtige Diktat der Firmengiganten formiert sich Widerstand. Für ihre mythische Vorstellung von Natur änderte die Aktivistin Julia Hill ihr bisheriges Leben: Sie kletterte auf einen 80 m hohen Redwoodbaum im Norden Kaliforniens und lebte dort zweieinhalb Jahre auf einer kleinen Plattform mit Wetterschutz, um den Baum symbolisch für einen ganzen Wald vor dem Abholten zu bewahren.
Diese kämpferische Form des Widerstands gegen die "Pacific Lumber Company", Marktführer in der Holz verarbeitenden Industrie Amerikas, machte sie selbst zum Mythos.
T. C. Boyle: "Julia Butterfly Hill inspirierte mich sehr, als ich das schrieb. Ich hatte mit dem Buch schon begonnen, bevor sie auf den Baum kletterte, und ich beendete es, bevor sie herunter kam. Ich wusste also nicht, wie ihre reale Geschichte letztendlich ausgehen würde.

„Ein Freund der Erde“ spielt übrigens im Jahr 2025. Hätte Boyle den Roman heute geschrieben, würde er das Szenario vermutlich nach 2015 verlegt haben.

Ein herausragender Roman, ungemein spannend, todtraurig und brüllend witzig.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann