Wenn der Wind dreht

Monatstipp Mai 2007

Andrea de Carlo: Wenn der Wind dreht

Verlag: Diogenes
rezensiert von Susanna Erb

Ja, wenn der Wind dreht, dann kann es ungemütlich werden. Denn der Wind kann alles auf- und durcheinanderwirbeln, kann an Fassaden rütteln, bis sie einstürzen, kann Fundamente ins Wanken bringen, kann entwurzeln und alles in ein unbekanntes Morgen wehen.

In diesem Fall sind es nicht Häuser, Bäume, Masten, Türme, die der Wind angreift.

In de Carlos kraft- und prachtvollem Szenario seines neusten Romans greift der Wind des Schicksals fünf Personen an, entwurzelt sie ihrer gewohnten Sicherheiten, kratzt heftig an der vermeintlichen Stabilität ihrer Beziehungen und strudelt sie in einen wahren Überlebenskampf.

Die Geschichte beginnt ganz harmlos: wir sehen vier erfolgs- und komfortverwöhnte Großstädter zusammen mit ihrem Makler auf dem Weg zu ihrem umbrischen Traumhaus: statt gemeinsamer Gespräche werden Handy-Gespräche geführt, Geschäfte weiter abgewickelt; die Abhängigkeit von elektronischen Medien ist ein Zeichen der Zeit. Sie fahren mit dem Wind ihrer Gewohnheiten.

Doch dann lässt ein Unfall, eine irreparable Panne den Wind gemein auffrischen:

In einer unbewohnten Gegend, mitten in einem Wald sitzen die fünf bei Nacht und Nebel fest, ohne Hoffnung auf Hilfe, weil ein weitreichendes Funkloch einen Alarmruf verhindert.

Uneinig und untereinander zerstritten stemmt sich jeder alleine gegen das Los, das sie zwingt, ihren Weg zu Fuß fortzusetzen.

Hoffnungsvoll stürzen sie sich auf ein bewohntes Haus, das irgendwann auftaucht, um völlig desillusioniert festzustellen, dass sie in einer fremden Kultur gelandet sind, in einer archaischen Welt von Alternativen, einer WG orthodoxer Ökologen.

Bizzar und teilweise witzig mutet der sich entfachende Kampf der Kulturen an und der Wahnsinn und das Drama, das nun seinen Lauf nimmt.

Eine wunderbar spannende und perfekt gestaltete Geschichte mit markanten, klischeehaften Prototypen und dem Versprechen eines gelungenen Showdowns garantiert höchsten Lesegenuß!

Lassen Sie sich überraschen von den Spuren des Windwechsels, der am Ende unsere „Helden“ zeichnet!
Andrea de Carlo ist wieder einmal ein Meisterwurf gelungen, sein bester, wie ich finde, und seine Sprache ist wie immer lebendig und leidenschaftlich und auch bestechend schön.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann