Wenn Sie mich fragen

Monatstipp Juli 2007

Rainer Erlinger: Wenn Sie mich fragen

Verlag: Kunstmann Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Darf man Brot wegschmeißen, wenn es zu hart ist? Darf man billige Flugtickets nutzen, auch wenn man für den Klimaschutz ist? Soll man bei einer Zwangsversteigerung ein Haus kaufen, wenn man damit die Notlage eines anderen ausnützt? Fragen der Alltagsmoral, die uns alle bewegen, auch wenn man selten darüber nachdenkt.

Für den Kunstmann Verlag habe ich schon immer große Sympathien gezeigt.
Nun ist ihm die Herausgabe eines überaus unterhaltsamen Buches gelungen, dass sich mit einem ernsten Thema beschäftigt: Unser Gewissen. Rainer Erlinger, bekannt als „Gewissenspapst“ der Süddeutschen Zeitung, hat die interessantesten seiner Kolumnen nicht ohne Humor zusammengefasst und konfrontiert uns so mit den philosophischen und rechtlichen Grundlagen eines Wertesystems, das zu verfallen droht, obwohl wir alle – mal mehr, mal weniger –an ihm hängen.
Quod est demonstrandum.

Ist es richtig, wenn man mit dem Kinderwagen einem Radfahrer auf dem Bürgersteig nicht ausweicht, obwohl es kein großer Aufwand wäre?

Darf man sein fünfjähriges Patenkind darüber aufklären, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, obwohl die Eltern an dieser Mär festhalten?

Ist es richtig, 8,20 Euro Lohnsteuerjahresausgleich geltend zu machen, wenn es den Staat Hunderte von Euro kostet, das zu bearbeiten?

Die Art und Weise, mit der sich Erlinger solchen und ähnlichen Fragen zuwendet, bereitet höchstes Vergnügen, denn es gelingen ihm auf scheinbar banalste Fragen messerscharfe Antworten.

Eine herrliche Lektüre für alle, die Freude am Denken haben.

Mein Vorschlag: Schenken Sie dieses schmucke Buch ihrem Freund oder ihrer Freundin. Zuvor können Sie es ja vorsichtig durchlesen (oder wäre das – cum grano salis - dem Kunstmann Verlag und Herrn Erlinger gegenüber moralisch nicht zu vertreten …?)

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann