Kartongeschichte

Monatstipp August 2007

helmut Krausser: Kartongeschichte

Verlag: Mare Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Dass Helmut Krausser ein virtuoser Erzähler, ein mit wirklich allen Wassern gewaschener Fabulierer ist, wissen Sie längst, liebe Freunde der www.buchkultur.de .
Dieser schmale Band beweist es auf vorzügliche Weise einmal mehr. Mit enormem Tempo und aberwitziger Komik erzählt Helmut Krausser in seinem Roman „Kartongeschichte“ vom verzweifelten Versuch, eine Leiche zu beseitigen, genau genommen die des Vaters der Protagonistin.
Eri, die blasse Putzhilfe im Pornokino, entschließt sich endlich, nach dreieinhalb Jahren, den mumifizierten Körper ihres Erzeugers zu „entsorgen“, was schwieriger ist, als sie angenommen hatte. Wer hier an Alfred Hitchcocks Komödie „Immer Ärger mit Harry“ denken muss, wird sich auf etwas gefasst machen müssen.
Mit der Leiche beginnt und endet das Buch, und es ist schwierig, etwas von der Handlung dazwischen zu erzählen, ohne den Clou der Geschichte zu verraten. Deshalb tue ich es auch nicht. Erwarten Sie einfach ein unglaubliches Buch, dann liegen Sie richtig!

“Kartongeschichte“ lässt auf den knapp 140 Seiten wenig Gelegenheit für eine Atempause. Wenn Krausser an einer Stelle schreibt: „Erstaunlich, wie sich so viel Erlebtes in so wenigen Sätzen endlagern läßt“, so lässt sich das als augenzwinkernder Kommentar zum gesamten Buch verstehen.
Virtuos spielt der Autor mit der Zügigkeit, die die Handlung antreibt. Da wird dann schon einmal um der Erzählgeschwindigkeit willen ein „Deleted Chapter“ eingefügt, in dem ein fiktives Kapitel zusammengefasst wird: „An dieser Stelle wurde ein Kapitel getilgt, um der Geschichte mehr Drive zu verleihen.“
Wie in einer Persiflage auf Daily Soaps werden die Figuren der „Kartongschichte“ den verrücktesten Situationen ausgesetzt.

Warum dieses Buch nun ausgerechnet in der marebibliothek mit ihrem Bezug zum Meer erscheint, werde ich Ihnen nicht verraten. Ich empfehle Ihnen: Schauen Sie sich das Motiv des Schutzumschlags genauer an, oder besser: Kaufen und lesen Sie dieses Buch! Und wenn Sie es verschenken möchten, dann werden Sie Freude bereiten, vorausgesetzt, die oder der Beschenkte kann auch mal eine drastische Sexszene vertragen.

Wunderbar!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann