Drei Schritte von der Herrlichkeit

Monatstipp Mai 2008

Arno Orzessek: Drei Schritte von der Herrlichkeit

Verlag: Steidl Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Ich bin außer mir! Donnerwetter, was kann dieser Orzessek begnadet schreiben! Das ist Prosa, wie man sie unter den zeitgenössischen deutschen Autoren peinlich suchen muss ( und, in puncto Brillanz allenfalls bei Martin Mosebach finden wird). Wie schon beim ebenfalls an dieser Stelle gepriesenen Roman „ Schattauers Tochter“ ( mein Lieblingsbuch des Jahres 2007) geht es in „Drei Schritte von der Herrlichkeit“ um deutsch-deutsche Geschichte, um Vergangenheit und deren Sprössling, die Gegenwart.
Albert Komusin erzählt die Lebens- und Liebesgeschichten seiner weitaus jüngeren, mit einander und mit ihm befreundeten Vettern Max Koriath, Gewohnheitstrinker und Athlet, glänzender Rhetoriker und Erotiker, der das Übermaß liebt, weil es ihn auf Kurs hält, und Paul Tanski, ebenso scharfsinnig wie sein Cousin und wie der geprägt vom masurischen Spätaussiedlertum seiner Familie, dabei ebenfalls verliebt in eine Ostdeutsche. Die Drei bilden das „Trio“.
"station 128 urologie. op am nachmittag", lautet die Botschaft, die Paul von Max auf dem Handy empfängt. Damit beginnt es. Aber keine Sorge, dieses Buch ist kein Tumor-Schreckensroman, sondern eine höchst humor-volle und abwechslungsreiche Reise in die jüngere Vergangenheit.
„Was sollte man dazu sagen? Im Handgemenge der Empfindungen fiel mir nichts ein. Fest steht, dass Max über die Grenze hinaus war, vor der man noch fackelt, beschönigt und vertuscht. Er hatte bereits zur Sprache gefunden und sich einen urologischen Dialekt zugelegt, eine Mundart der Wahrheit, wie wir bald erkannten, die auf Station 128 jeder Patient einüben muss, sofern er nicht bigott werden will oder stumm.“

Orzessek findet Formulierungen, die man am liebsten zur Wiederverwendung abspeichern möchte.
Sein Witz ist manchmal, nein eher oft am Rande des Makabren und seine Betrachtung der Welt, so wie sie sich uns heute darbietet, besticht durch Scharfsinn und Genauigkeit. Der Osnabrücker Autor ist ein Glücksfall für die Literatur und meine Lieblingsempfehlung an alle anspruchsvollen Leser, wobei ich damit immer auch die Leserinnen meine, wie sich hoffentlich versteht.
Wunderbar!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann