Last drinks

Monatstipp Juli 2008

Andrew McGahan: Last drinks

Verlag: Kunstmann Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Zugegeben, ich hätte mich schon früher mehr mit Australien beschäftigen sollen, doch dieser Kontinent war mir in vielerlei Hinsicht zu weit weg.
Nun hat mich ein Roman gefesselt, der mich in die geographische und soziopolitische Landschaft Queenlands führte und mir die Augen dafür öffnete, welche Parallelen es zwischen der jüngeren australischen Geschichte und einer McCarthy-USA 50 Jahre früher gibt.
Vor zehn Jahren hat sich George Verney, der sicher nicht sympathische Held, in das Nest Highwood zurückgezogen, schreibt dort für die Lokalzeitung Belanglosigkeiten und rührt vor allen Dingen kein Glas Alkohol mehr an. Es weckt ihn ein Anruf mitten in der Nacht: George muss sich sofort bei der Polizei einfinden und eine Leiche identifizieren. Sein ehemaliger Freund aus Trinkertagen, Charlie, ist bestialisch ermordet worden. Mit Charlie war George seiner Zeit als Randfigur in einen großen Korruptionsprozess verwickelt, der damals die Regierung stürzte.
Charlie sei auf dem Weg zu George gewesen, heißt es. Aber warum? George kann sich keinen Reim darauf machen. Musste er deshalb sterben? Wer kann ein Interesse haben, einen heruntergekommenen Alkoholiker so grausam hinzurichten? Die Vergangenheit holt George ein, die ausufernden Trink­gelage und illegalen Geschäfte, auch seine nicht eingestandene Liebe zu Maybellene, Charlies Frau. George kehrt eher widerwillig nach Brisbane zurück, um zu klären, was er während der letzten „trockenen“ Jahre erfolgreich verdrängt hat.

In Brisbane hat sich nicht viel verändert, alle düsteren Typen von einst gibt es noch immer, nur haben sie sich entsprechend angepasst: Marvin, der gerissene Politiker, der sein Mäntelchen stets in den Wind hängt, die zwielichtigen Bar­besit­zer und käuflichen Polizisten, der mächtige Lindsay, der im Hintergrund immer noch die Strippen zieht, und schließlich May­bel­lene, die Schöne. Beschattet von der Polizei, die ihm misstraut, macht sich George auf eine lebensgefährliche Spurensuche, und stellt sich einer alten Schuld und seiner noch immer großen Liebe.
Rasant erzählt der heute 42jährige Andrew McGahan von der Reise in die Vergangenheit, ins Innerste eines durch und durch korrupten Systems.

Für diese exorbitante Leistung wurde er vor acht Jahren, als das australische Original erschien, mit dem sehr renommierten Ned-Kelly-Award ausgezeichnet, sozusagen dem Büchnerpreis der australischen Kriminalliteratur. Dank Antje Kunstmann bzw. ihrem Verlag haben wir nun auch endlich etwas davon!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann