Nach Hause schwimmen

Monatstipp August 2008

Rolf Lappert: Nach Hause schwimmen

Verlag: Hanser Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Obwohl Rolf Lappert schon einige Bücher verfasst hat, ist mir der Zürcher Autor, der seit Jahren in Irland lebt, erst jetzt, mit seinem unglaublich packenden Roman „Nach Hause schwimmen“ aufgefallen, und darüber bin ich glücklich! Endlich mal ein deutschsprachiger Schriftsteller, der so wuchtig erzählen kann wie John Irving oder T.C.Boyle!
Es gibt zwei Erzählstränge, die kapitelweise alternieren: der eine, im Präsens und in der ersten Person entwickelt, beginnt mit dem Ende der Geschichte und erzählt drastisch die monatelange Wandlung des zwanzigjährigen Wilbur (ein Anagramm aus dem Namen seines Lieblingshelden Bruce Willis) vom Lebensmüden zum Lebensdurstigen. Der andere erzählt in einer ungemein eleganten, manchmal geradezu virtuosen Sprache die ersten zwanzig Jahre eines manchmal an Owen Meany oder Garp erinnernden Helden, der in den USA zur Welt kommt und bald von seiner unglaublich liebenswerten Großmutter nach Irland geholt wird, von wo seine bei der Geburt gestorbene Mutter stammte. An ihrer Seite erlebt Wilbur eine glückliche Kindheit. Nach ihrem Unfalltod wächst er bei Pflegeeltern auf, die er hasst und die es nicht verhindern können, dass er wegen Brandstiftung in eine Besserungsanstalt eingewiesen wird.
Wilbur ist nicht nur überdurchschnittlich intelligent sondern auch ein musikalisches Genie, binnen zwei Jahren erlernt er das Cellospiel so meisterlich, dass er an einem Wettbewerb in Göteborg teilnimmt, den er nutzt, um nach seinem Vater zu forschen, den er nie gekannt hat. Die Suche gerät zum Lebensinhalt. Wilbur findet ihn jedoch nicht in Schweden sondern, und hier schließt sich einer der vielen glanzvoll entwickelten Kreise, in den USA. Dort begegnet ihm Aimee, die Frau, die es schafft, ihn endgültig ins Leben zurück zu holen, kraft ihrer wunderbaren Liebe.
Der 1958 geborene Rolf Lappert hat den für mich bislang beeindruckendsten Roman dieses Jahres vorgelegt, mit einer unerhörten Klasse, mit einer bewundernswerten Kompositionsstrenge und einem enormen Gefühl für die richtigen Erzähltempi!
Gratulation dem grandiosen Autor, dem Hanser Verlag und jedem, der sich zur Anschaffung dieses Meisterwerks entschließt!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann