Trans-Amerika

Monatstipp September 2008

Tom McNab: Trans-Amerika

Verlag: Aufbau Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Wenn mir jemand prophezeit hätte, dass ich eines Tages einen Roman empfehlen würde, der von einem sportlichen Großereignis handelt, hätte dieser Mensch einen Vogel gesehen, weil ich ihm einen gezeigt hätte. Olympische Spiele, de France-Touren und Weltmeisterschaften aller Art interessieren mich in etwa so stark wie das Brunftverhalten halbruhiger Schützen zu Hornberg.
Hätte ich einen Fuchtelfinger wie Marcel Reich-Ranicky, käme er nun zum Einsatz. „Aber, meine Herrschaften!, es kommt darauf an, wie einer darüber schreiben kann. Dieser Tom McNab jedenfalls kann das! Er kann aus einem Wahnsinnslauf von Los Angeles aus bis New York, mit Umwegen satte 5200 km, eine Geschichte schreiben, die es spannungsmäßig mit jedem Thriller der gehobenen Sorte aufnimmt!“ Ob es sich um eine wahre Begebenheit handelt, ist dabei vollkommen unwesentlich. Fest steht, dass Trans-Amerika so hätte stattfinden können. Tatsächlich gab es 1928/29 die Bunion Derbies. Damals bekannt unter C.C. Pyle's International Trans-continental Foot Races. Organisator war der Sportpromotor "Cash and Carry" C.C.Pyle. Er hoffte, ein Vermögen damit zu verdienen und setzte einen ersten Preis von $25000 aus. Auch wenn nicht nur die besten Läufer angelockt wurden, so fand sich am 4. März 28 ein internationales Feld von 199 Läufern am Start in Los Angeles. Nach 84 Tagen beendeten 55 Läufe r das Rennen am Madison Square in New York. Ähnlich geht es beim Trans-Amerika-Lauf anno 1931 zu, von dem Tom McNab in seinem Roman erzählt. Ein Roman, der sicherlich längst nicht nur die, die das Laufen zu ihrem Sport auserkoren haben, ansprechen wird. Es ist die Geschichte der Teilnehmer, ihre Herkunft und was sie bewogen hat, dieses Rennen zu laufen, dessen Stecke weiter ist, als je ein Läufer in seinen Trainigseinheiten geplant hat. Viele treten an wegen des Preisgeldes und weil sie sonst nichts zu verlieren haben und die meisten scheitern naturgemäß schon auf der ersten Etappe. Langsam kristallisiert sich ein Favoritenfeld heraus und neben den sportlichen Fakten, die sicherlich für Insider interessant sind, werden auch die Erlebnisse rund um die riesige Veranstaltung geschildert. Da gibt es politische Kräfte, die auf jeden Fall verhindern wollen, dass die Läufer ihr Ziel erreichen, persönliche Feindschaften, aber auch Kungeleien unter den Sponsoren.
Man kann viel lernen auf diesen 551 Seiten, sogar als Sport-Muffel! Sowohl über den großen Bruder in Übersee als auch über Fairness und Anständigkeit einerseits, Profitgier der Manager damals wie heute und Sensationslust eines pekuniär und geistig verarmenden Publikums, das es schon gab, als man von Sendern wie Sat1 und RTL noch nie gehört hatte.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann