Herrn Sylvains verschlungener Weg zum Glück

Monatstipp Januar 2009

Diane Broeckhoven: Herrn Sylvains verschlungener Weg zum Glück

Verlag: Beck
rezensiert von Susanna Erb

Dem Glück auf die Sprünge helfen – so nennen es die einen;
Corriger la fortune – vielleicht die anderen ....
Wie dem auch sei: in Sylvains sechsunddreißigjährigem Leben hat die Mutter immer noch das Sagen und zwar gründlich.
Bis dato hat es Sylvain nicht geschafft, sein Zuhause zu verlassen. Er füllt ungewollt die Lücke des fortgegangenen Vaters und beneidet seine davongeflogenen und in eigenen Hausständen lebenden Schwestern, die ihm allzu gerne die Verantwortung für Mamas Glück hinterlassen haben.
Er weiß nicht, daß man sich die eigene Kleidung selbst aussuchen kann und auch die eigene Freundin. Festgefahren in ewig alter Tradition fühlt er jedoch den Ruf nach Freiheit.
Und eines Tages wird ihm tatsächlich die Antwort eines noch unbekannten, verlockenden Glücks geschenkt:
Ein Arbeitskollege engagiert ihn für seine Begleitung auf eine Rumänienreise zum Zweck des Hilfsgütertransports zu den Bedürftigen.
Sylvain, der schon das Glück des kurzen Auszugs und der Mutter-Trennung vorausschmeckt, geht ganz auf in den Vorbereitungen für dieses Event. Und als es schon greifbar nahe ist, geschieht die Katastrophe:
Ein Mutter-Treppen-Sturz mit Hüftbruch und angekündigtem zwei-wöchigem Krankenhausaufenthalt vereitelt seine heiß ersehnte Reise –
und bringt doch zugleich den Segen des alleinigen Zuhauseseins ins Rollen.
Doch nicht genug des neuen Mutes jenseits von Mutters Kontrolle, der neuen Pläne und des Freiheitsgefühls. Es kommt noch besser:
Als die Mutter ihm im Wiedergutmachungs-Sinn für die verpatzte Rumänienreise zum Geburtstag die Teilnahme an einer eintägigen Senioren-Busreise schenkt, zieht Verheißungsvolles auf am Horizont seines altbackenen Junggesellensdaseins: zwei attraktive lebenslustige Rumäninnen treten mit ihm busreisend in sein graues Leben und nehmen entschlossen seine Verwandlung in die Hand.
Die Auseinandersetzungen im Status quo der Mutter-Sohn-Beziehung verlieren sukzessive an Schärfe. Sylvain, verliebt und mit einem festen Ziel vor Augen, führt nun Regie und dirigiert hinter den Kulissen geschickt taktierend auch Mutters Glück.
Diane Broeckhoven ist ein wunderbar humorvoll-anrührender Roman gelungen, der uns zu Zeugen eines am Ende gelungenen Balance-Aktes zwischen besitzergreifender Nähe und Freiheit macht und zu Zuschauern eines unverhofften Glücks.
Ich lege Ihnen diese herzerfrischende Lektüre zum Jahresanfang dringend ans Herz und verbinde damit gleichzeitig meine besten Wünsche für Ihr Neujahrsglück!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann