Ich schlage vor, dass wir uns küssen

Monatstipp Mai 2009

Rayk Wieland: Ich schlage vor, dass wir uns küssen

Verlag: Kunstmann Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Ein gar köstlich Ding, dieser neue Roman von Rayk Wieland! Dem Kunstmann Verlag ist wieder einmal eine unglaubliche Entdeckung gelungen, und er hat sich Mühe gegeben, diesem feinen, überaus witzigen Roman auch wein schmuckes Cover zu schenken.
Haben Sie erkannt, dass die beiden Küssenden Brechnjew und Honnecker sind?
Dies bezieht sich durchaus auf den Titel „ Ich schlage vor, dass wir uns küssen“, nicht nur, weil ein solches Gemälde tatsächlich existiert und in Berlin besichtigt werden kann, sondern auch weil sich Teile der in diesem Buch beschriebenen Geschehnisse laut Wieland tatsächlich so oder sehr ähnlich ereignet haben.
Worum es geht?
Herr W. (Wieland?) erhält überraschend per Post eine Einladung zu einer Podiumssitzung; unbekannte Untergrunddichter sollen über ihre Unterdrückung durch die Staatssicherheit der DDR diskutieren.
Herr W. fühlt sich veräppelt, denn als Untergrunddichter fühlte er sich im Grunde nie; außerdem hat er mit der Vergangenheit längst abgeschlossen. Die DDR gibt es bereits seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr.

Was durch Recherchen herausbekommt, erstaunt ihn selbst: tatsächlich schrieb er in seinen jungen Teenagerjahren und auch noch mit Anfang zwanzig Gedichte, größtenteils verfasst zu Ehren seiner gossen Liebe, der Münchnerin Liane, die er einst kennenlernte, als sie mit ihrer Schulklasse einen Ausflug nach Ostberlin unternahm. Zum Glück hat die Stasi gut mitgelesen und gesammelt, denn sonst wären diese teils unglaublich köstlichen Poesien verloren gegangen und könnten uns nicht noch heute erfreuen.
„Mögliche Exekution des Konjunktivs“ hatte er ironisch seine Textsammlung genannt, doch sein Sachbearbeiter bei der „Firma“, Oberstleutnant Schnatz, nahm den Titel bierernst und interpretierte in der Folge so manche flapsige Bemerkung des jungen W miss, die er in seinen Briefen an Liane oder aber auch unter Kommilitonen nichtsahnend äußerte.
Mit uns Lesern erinnert sich Wieland an eine teilweise absurde Episode der deutschen Nachkriegsgeschichte.
„Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ ist ein hinreißend komischer Roman über die Erinnerung an eine große Liebe unter einem sich lächerlich erweisendem System.

Ein ganz großer Wurf und meine Empfehlung an Sie alle, vorausgesetzt, Sie finden es nicht makaber, über etwas zu lachen, das vielen Menschen Bespitzelung und Unterdrückung einbrachte.
Viel Freude! Rayk Wieland hat sie beim Verfassen dieses erfrischenden Buches gewiss gehabt; das merkt man gleich!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann