Der Fluss

Monatstipp August 2009

Ketil Bjørnstad: Der Fluss

Verlag: Insel-Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Der norwegische Pianist und Schriftsteller Ketil Björnstad ist in beiden seiner Metiers ein Meister. Viele werden sich gewiss an „Villa Europa“ erinnern, einen der stärksten Romane, die wir an dieser Stelle jemals hervorgehoben haben. Manche Zeiten haben halt ihre Themen. Im Augenblick ist es das Klavier (auch einer der kommenden Tipps des Monats wird davon handeln, aber wir wollen nicht vorgreifen.) Jetzt liegt mir Björnstads neuer Roman am Herzen, und ich möchte Ihnen „Der Fluss“ wärmstens empfehlen! Wie auch sein Vorgänger, „Vindings Spiel“, ist sein Protagonist Aksel Vinding, ein achtzehn Jahre alter Klavierstudent, der kurz vor seinem gefürchteten Debüt als Konzertpianist steht und noch genau neun Monate Zeit hat, sich darauf vorzubereiten. Mehrere Todesfälle haben ihn in der jüngsten Vergangenheit beinahe aus der Bahn geworfen, und ob es eine gute Entscheidung war, als Untermieter ausgerechnet in das Haus, ja sogar das Zimmer zu ziehen, in dem seine erste große Lebensliebe, Anja Skoog, die ihn bei seinem bislang wichtigsten Wettbewerb am Klavier besiegte, buchstäblich verhungerte, weil sie den psychischen Anforderungen des Konzertbetriebs nicht gewachsen war, bleibt fraglich.
Während Aksel hart an sich und seiner Technik arbeitet, wird er den Schatten Anja nicht los, zumal seine Vermieterin Marianne Skoog ihre Mutter ist und der Geliebten enorm ähnelt. Ein spannendes Verhältnis entsteht zwischen Aksel und der siebzehn Jahre älteren Frau. Björnstad gelingt es wunderbar, gerade in den Gesprächen zwischen Marianne und Aksel den Zeitgeist von Woodstock wiederzubeleben. Aber viel mehr als das! Der Leser lernt eine Menge über die Liebe zu einem vertrauten Menschen und über die Liebe zu vertrauter Musik.

Hinreißend: Aksels Traumbegegnung mit Franz Schubert!

Alles läuft auf den großen Tag zu, an dem sich Vinding, von seiner strengen Lehrerin immer wieder gedemütigt, bewähren muss; aber nicht, dass es ihm gelingt, seine Feuerprobe zu bestehen, erfreut des Lesers Herz, sondern wie es ihm gelingt. Es befreien sich Kräfte in dem jungen Künstler, von denen er selbst allenfalls eine Ahnung gehabt haben mochte.

Ein großer Roman über Leidenschaft! Wenn Sie sich mitreißen lassen wollen, empfehle ich Ihnen zusätzlich zum Roman „Der Fluss“ auch das Hörerlebnis, das die Ketil Björnstad-CD
„Rainbow Sessions“ bietet. Des Meisters Spiel ist wie sein Schreiben: unglaublich konzentriert und betörend schön, ohne je Gefahr zu laufen, in Kitsch abzugleiten.

„Der Fluss“ lässt einen nicht mehr los, auch wenn man das Buch nach der 380. Seite zuschlägt, weil es ausgelesen ist. Man möchte sofort wieder vorn beginnen, die Geschichte in Fluss halten.


"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann