Sommer mit Emma

Monatstipp September 2009

Martina Borger & Maria E. Straub: Sommer mit Emma

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann

Erinnern Sie sich, dass wir an dieser Stelle vor Jahren einen Roman des Autorinnen-Duos Martina Borger und Maria Straub vorstellten? „Im Gehege“ hieß er, und es lohnt sich diesbezüglich den August 2004 aufzusuchen. Zwischenzeitlich haben sowohl Frau Borger als auch Frau Straub beeindruckende Romane geschrieben, jede für sich, doch jetzt ist es wieder so weit: ein Duo-Produkt, das sich wahrlich sehen lassen kann! Und das ist arg untertrieben! Was die beiden nun vorgelegt haben, ist ein Suspense-Thriller der Extraklasse. Er lässt sich mit den besten Arbeiten einer Highsmith oder einer Rendell nicht unbedingt vergleichen, hat aber gewiss deren Niveau. „Sommer mit Emma“ heißt der Roman, und er hat mich einen Tag in atemlose Spannung versetzt; als ich beim Ende ankam, musste ich erst einmal einen Spaziergang unternehmen, und meine in Mitleidenschaft geratene Seele durchpusten lassen, so sehr hat es mich mitgenommen, was die Romanfiguren bei ihrem Urlaub, Hausbootferien in englischen Kanälen, erleben.
Da ist zum einen Luisa, die nach einem weiteren Jahr als alleinige Familienernährerin urlaubsreif ist; dann Daniel, Luisas langjähriger Partner, der als Künstler mehr und mehr darunter leidet, allmählich in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden; da sind ihre beiden gemeinsamen Kinder Lea und Jasper, beide mitten in der Pubertät; außerdem mit von der Partie: Can, Jaspers bester Freund seit Kindergartentagen. Schließlich ist da noch Emma. Emma ist Daniels, aber nicht Luisas Tochter. Das Ergebnis eines Seitensprungs. Diese Sechs machen nun gemeinsam Urlaub. Viel mehr brauche ich gar nicht zu erzählen, denn das Komplikationspotenzial, das sich aus einer solchen Konstellation ergibt, drängt sich vermutlich jedem sofort auf.
Aber Borger/Straub bedienen hier keine Klischees, sie lassen die Urlaubenden selbst erzählen, jeden für sich und nicht immer in derselben Reihenfolge. Es kommt wie es kommen muss: Die scheinbare Idylle erweist sich innerhalb kürzester Zeit als trügerisch.
Luisa, die Mutter verspricht sich viel von diesem Urlaub. Sie hofft, Daniel, dem sie den Fehltritt niemals ganz verzeihen konnte und an dem sie immer mehr zu stören beginnt, wieder näher zu kommen.
Daniel hingegen hat keine Lust mehr, dauernd seinen Seitensprung zu vertuschen und bekennt sich allzu demonstrativ zu seiner anderen Tochter, während er versucht, seine angeschlagene Künstlerkarriere in eine neue Richtung zu lenken.
Die Jugendlichen wiederum haben ihre ganz eigenen Probleme.
Jasper und Can stehen sich längst nicht mehr so nahe und ihre Freundschaft ist durch einen Vertrauensbruch ebenfalls schwer belastet.
Lea, die die meiste Zeit hinter ihren Büchern und ihrem Tagebuch verbringt, kann dann doch nicht soviel mit ihrer Halbschwester Emma anfangen. Diese wiederum erweist sich als durchtriebenes Luder, die schnellstens die Geheimnisse aller Familienmitglieder in Erfahrung bringt und solange zündelt, bis der Flächenbrand entfacht ist....

Diogenes hat mit „Sommer mit Emma“ sein stärkstes Buch für 2009 im Programm. Ich möchte es Ihnen ans Herz legen! Ungemein packend!


"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann