Das Beste, was wir hatten

Monatstipp Oktober 2009

Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten

Verlag: Nautilus Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Jochen Schimmang ist schon seit Jahrzehnten ein hochinteressanter Schriftsteller, der sich nie mit Gepolter in die erste Reihe schrie, obwohl er das Zeug dazu hat. Bester Beweis: sein soeben bei Nautilus erschienener Roman „Das Beste, was wir hatten“.
Ein tolles Buch! So erfrischend anders erzählt, als man es gewohnt ist, nimmt es uns auf eine faszinierende Zeitreise mit; gemeint ist die Zeit der mittsechziger Jahre bis hin zur deutschen Einheit 1989.
Es beginnt mit ersten Geheimnissen der beiden noch kindlichen Protagonisten Leo Münks und Gregor Korff, unzertrennliche Freunde zunächst, bis das Leben sie doch eine Zeitlang trennt: Leo gelangt nach seinem Studium bizarrer Weise ausgerechnet zum Verfassungsschutz; Gregor, von Hause aus wie sein Freund eher linker Denkungsart, wird Mitarbeiter, später sogar persönlicher Berater eines CDU-Ministers, der zwar nicht namentlich genannt wird, in dem ich aber Rudolf Seiters zu erkennen glaube.

Jochen Schimmang erzählt sowohl von den großen Zeitläufen als auch von den vielen kleinen Verwerfungen und Verwicklungen im Leben seiner Protagonisten, und das gelingt ihm in einer sparsamen, klaren Sprache und mittels eleganter Rückblenden. Leo und Georg fühlen sich wohl in ihrer Köln-Bonner BRD-Welt, an die sie sich nach der Wende geradezu mit Wehmut erinnern. Darauf weist auch der Titel des ausgezeichneten Romans mit leiser Ironie hin. Ausgerechnet zu einer Zeit, als beide, im Herzen typische Vertreter der sogenannten Studentenbewegung, selbst auf der vermeintlich falschen Seite des Staates arbeiten, sind sie ganz bei sich. Als sich dann die Ereignisse auf den Mauerfall zu bewegen, werden sie von diesem regelrecht überwältigt, obwohl sie ihn längst intellektuell antizipiert haben.
Gregor wird eine alte Liebe, die als Stasi-Mitarbeiterin enttarnt wird, zum Verhängnis. Und Leo versucht vergeblich, seinen alten Komillitonen Carl Schelling zu decken, der einen unblutigen Anschlag auf das Germania-Denkmal plant, historisch so brisant, weil in den Achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts Anarchisten dort ein Attentat auf Kaiser Wilhelm nur durch eine zu nasse Zündschnur vereitelt wurde. Spätestens, als Gregor, Leo und dessen Frau (vorübergehend Gregors Geliebte, was aber die Freundschaft der Protagonisten nicht gefährdet) in einer spektakulären Aktion Carl aus dem Gefängnis befreien, wird klar: Die Berliner Republik wird nicht mehr ihre sein. Vermutlich auch Jochen Schimmangs nicht.

Ein intelligenter Roman, kurzweilig und mit vielen spannenden Details; ich empfehle Ihnen von Herzen, dieses Buch zu lesen, zu verleihen und mit Ihren Freunden darüber zu diskutieren!


"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann