Das war ich nicht

Monatstipp Januar 2010

Kristof Magnusson: Das war ich nicht

Verlag: Kunstmann Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Ein neues Jahr liegt vor uns mit wunderbaren neuen Büchern. Haben Sie schon einmal etwas von Kristof Magnusson gelesen? Sollten Sie! Ausgebildet als Kirchenmusiker hat Magnusson die Fachwelt bereits mehrfach mit seinen literarischen Arbeiten verblüfft und war immerhin Stadtschreiber des Goethe-Instituts in Pune/ Indien und writer in residence an der University of Iowa/ USA. Jetzt wird es Zeit, dass er bei uns entdeckt wird!
Magnusson hat einen Roman vorgelegt, der mich wirklich kollossal begeistert. „Das war ich nicht“.
Erschienen ist dieses brillante Buch, wie schon eine Menge Titel, die bei www.buchkultur.de Monatstipps wurden, im sympathischen Kunstmann-Verlag. Worum geht es?
Zum einen um Jasper Lüdemann.
Ob er eher Held oder Antiheld ist, entscheiden bitte Sie! Jedenfalls hat es Jasper geschafft. Er ist aus dem Back Office in den Händlersaal einer großen Investmentbank in Chicago aufgestiegen, Desk 3, Futures und Optionen. Jetzt will der junge Deutsche beweisen, was er drauf hat, und das ist eine Menge, wie wir nach und nach feststellen. Ein Privatleben findet für ihn praktisch nicht mehr statt. „Zwischen dreißig und vierzig muss man brennen“, so sein Motto bezüglich Karriere. Und Jasper brennt.
Da ist noch eine andere Hauptperson, die ihre große Chance wittert: Meike. Meike ist Übersetzerin von „Hausfrauenpornos“, sehnt sich aber nach höheren Aufgaben, denn im Grunde ist sie literarisch hoch motiviert. Eine große Chance bietet sich ihr, so hofft sie jedenfalls, in Person des Bestsellerautors Henry LaMarck, dessen Werk sie ins Deutsche überträgt. Zurzeit leidet LaMarck allerdings an einer Schreibblockade, erwägt sogar, sich aus dem Literaturbetrieb komplett zurückzuziehen, was Meike freilich nicht ahnt. Den versprochenen großen Roman hat LaMarck jedenfalls nicht abgeliefert und ist für niemanden erreichbar. Um ihn zu finden und zur Herausgabe des neuen Werkes zu überreden, reist Meike eigens nach Chicago, jene Stadt, in der Jasper Lüdemann gerade Millionen verbrennt.
Wie so etwas funktioniert, kann man bei der Lektüre durchaus lernen. Das Vertrauen in Banker wächst dabei nicht, das am Rande.
Pulitzer-Preisträger Henry LaMarck ist während der Verlagsparty anlässlich seines sechzigsten Geburtstags verduftet und inkognito in einem Hotel untergetaucht. Er kann nicht mehr schreiben, fühlt sich einsam, aber er hat sich verliebt. In ein Foto von einem jungen Banker, der verzweifelt auf die fallenden Kurse starrt.
»Das war ich nicht« erzählt von diesen drei Menschen: Jasper, Henry und Meike. Ihr Leben gerät - nicht ganz zufällig, wie Sie sich denken werden - in eine abenteuerliche Abhängigkeit. Wunderbar, wie Kristof Magnusson das arrangiert hat!
Wie so oft im Leben sind es die Hormone, die prägend ins Geschehen eingreifen. Eine Bank, eine Zukunft ist schnell ruiniert, es sei denn … „Das war ich nicht“ ist ein herrlich komischer, mitunter aber auch erschreckend realistischer Roman von einem Schriftsteller, der sicher bald zu den ganz bekannten gehören wird. Entdecken Sie ihn jetzt! Der in Hamburg aufgewachsene Isländer Kristof Magnusson, kann wunderbar leicht und doch geistreich schreiben und entwickelt in seinem Roman eine Spannung, die uns Leser das Buch schneller auslesen lässt, als wir eigentlich möchten.
Köstlich!


"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann