Charly Summers

Monatstipp Februar 2010

Paul Torday: Charly Summers

Verlag: Berlin
rezensiert von Christian Oelemann

Der britische Autor veröffentlichte mit 59 Jahren seinen ersten Roman „Lachsfischen im Jemen“, ein überaus witziges und intelligentes Buch, dem er schnell ein weiteres folgen ließ, das mich auch stark beeindruckte, „Bordeaux“. Im just erschienenen Roman „Charly Summers“ erklärt Torday mit seiner überaus spannenden und humorvollen Geschichte, wie das Zusammenleben von kleinen harmlosen Gaunern einerseits und skrupellosen, alles andere als harmlosen Spekulanten andererseits funktioniert. Der Leser kann dabei eine Menge lernen über die Welt der Finanzen und die Ursachen der derzeitigen Krise.
Paul Torday lebt auf einem Schloss im Norden Englands, genießt also vermutlich einen gewissen Wohlstand. Er weiß sicherlich Bescheid, wie es ist, wenn man sich mit der Entscheidung plagt, ob man sein Geld in sogenannte „beste Hände“ legen will und, wenn ja, in welche.
Schon vor dem Aufschlagen des Buches schickt uns Torday erst einmal gründlich in die Irre. Denn nicht Charlie Summers ist der eigentliche Held des Buches, sondern Hector Chetwode-Talbot, ein ehemaliger Afghanistan-Kämpfer, der das dort Erlebte schwer verarbeiten kann und traumatisiert die Soldaten-Uniform an den Nagel hängt. Da kommt es ihm gerade recht, dass ihn sein alter Schulkamerad Bilbo aus seiner Sinnkrise helfen möchte, indem er ihn überredet, für ihn als Broker die Finanzwelt zu betreten, genau genommen Bilbos Firma Mountwilliams, obwohl Hector von Hedgefonds überhaupt keine Ahnung hat. Nach einem Crashkurs läuft es jedoch gut an für Chetwode- Talbot, nicht zuletzt, weil er über eine gehörige Portion Charme verfügt, dem wir hernach auch noch eine saftige Liebesszene verdanken, köstlichst geschrieben . Und Hector genießt das neue Leben mit seiner Eigentumswohnung in London und den ganzen Annehmlichkeiten des Wohlstands in vollen Zügen. Woher das Geld eigentlich stammt, das sich auf so wunderbare Weis Titelgeber Charlie Summers, ein Verkäufer von angeblich japanischem Hundefutter, kommt nun doch ins Spiel. Er ist ein armer Schlucker, den Hector und sein betuchter Freund Henry aus einer Laune heraus zum Essen und Trinken einladen. Sie verlieren schnell das Interesse an dem armen Mann (der Hector angeblich einigermaßen ähnelt, was am Ende der Geschichte noch eine bedeutende Rolle spielt).
Wir Leser lernen Charly Summers jedoch besser kennen, wissen seine Art und seinen Humor gewiss zu schätzen. Ach, dieser Charly Summers ist ein netter Kerl, wenn auch ein Halunke. Aber ein sympathischer Halunke! Und singen kann er auch noch!
Hector hätte eines besser nicht tun sollen: seinen alten Freund Henry dazu zu überreden, eine Hypothek auf sein Haus aufzunehmen, um das Geld gewinnbringend bei Hectors Chef anzulegen. Dass auch sein Geld in der Firma steckt, versteht sich – als Anlageberater will man ja mit gutem Beispiel seinen Kunden vorangehen. Es kommt zum Äußersten! Witzig und intelligent entwickelt Torday ein Ende, das sich gewaschen hat. Welche Rolle Al Quaida darin spielt, warum Hectors und Henrys Vermögen mit einem Schlag verschwunden ist und weshalb Hector plötzlich sogar auf einer Todesliste der Taliban steht, erfahren wir Leser in einer temporeichen Geschichte voller Witz. Und zugleich erklärt uns Torday die Welt des Mittelstandes, der Finanzen und der Krise. Mit wenigen Worten schafft er das, denn der Roman ist nicht eben lang. Essentielles auf den Punkt zu bringen, das ist die Meisterschaft von Paul Torday, und in "Charlie Summers" ist ihm das einmal mehr glänzend gelungen.
Ein anspruchsvoller aber dennoch leicht zu lesender Roman, an dessen Ende ich nur Eines dachte: Schade! Mehr davon!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann