Bleib wo du bist

Monatstipp September 2010

Mareike Krügel: Bleib wo du bist

Verlag: Schöffling Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Matthias Harms ist ein auf Zwangsneurosen spezialisierter Psychotherapeut. Zurzeit hält er sich wegen einer Spezialistentagung in Südtirol auf. Normalerweise besucht er diese alljährlich wiederkehrende Veranstaltung mit seinem besten Freund und Kollegen, doch der muss diesmal absagen, weil er (immerhin wie Harms bereits 50 Jahre alt) erstmalig Vater wird – eine Tatsache, die Harms insgeheim belächelt.
Kaum angekommen, nimmt Harms am zeremoniellen Begrüßungstrunk teil und konsumiert eindeutig zu viel Alkohol; durch ein paar scheinbar harmlose Begebenheiten gerät er in der Nacht und am nächsten Tag mehr oder weniger verkatert an seine Grenzen. Erinnerungen, derer er nicht Herr wird, plagen den vermeintlichen Psychospezialisten; ja, er kann nicht einmal damit umgehen. Seine viel zu früh verstorbene Schwester fällt ihm neuerdings immer öfter ein, ihre gemeinsame Kindheit im strengen Elternhaus rückt ihm unerbittlich auf den Leib. Nicht nur im Wortsinn verliert er die Orientierung – er verläuft sich bei einem Spaziergang im durchaus bekannten und sicherlich überschaubaren Meran gleich mehrfach.
Aus dem sonst so beherrschten Zuhörer, der mit seiner Frau, einer engagierten Sozialarbeiterin, und seinem besten Freund, dem Neuvater, sozusagen einen Club der Gutmenschen bildet, wird ein im Innersten erschütterter, verlorener Mensch, dem sämtliche Gewissheiten abhandenkommen.
Das klingt nach ach so gefühlslastigem Drama, doch Mareike Krügel hat den Schalk im Nacken sitzen, wie wir ja schon aus ihren früheren Romanen wissen („Die Tochter meines Vaters“ ist einer der erfolgreichsten Monatstipps, die wir je hatten). Meisterlich und mit einem Sachverstand beim Thema „Männer in den besten Jahren“ (ungewöhnlich für eine so junge Autorin wie Mareike Krügel!) entwickelt sie mit „Bleib wo du bist“ eine mitreißende Geschichte, die uns immer wieder in lautes Lachen ausbrechen lässt. Eine Meisterin der Sprache, diese Mareike Krügel! Da sitzt jede Formulierung so messerscharf, dass mir noch nicht einmal das Präsens etwas ausmacht (eine Erzählzeit, die ich normalerweise bei Romanen ablehne). Chapeau!


"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann