Das graue Kleid

Monatstipp Januar 2011

Andrea Camilleri: Das graue Kleid

Verlag: Das graue Kleid
rezensiert von Christian Oelemann

Febo Germosino hat eine makellose Karriere als hoher Beamter hinter sich. Jetzt, am ersten Tag nach seiner Pensionierung, hält er einen anonymen Brief in Händen. Er enthält Andeutungen über die Untreue seiner fünfundzwanzig Jahre jüngeren Frau Adele. Febo ist entsetzt, doch gleichzeitig bestätigt sich, was er schon lange geahnt hat: Seine Frau ist eine femme fatale, der er hoffnungslos verfallen ist, die ihn hintergeht und ausnutzt. Der alte Herr lässt seine Gedanken in die Vergangenheit abschweifen und so erfährt der Leser, wie sich diese Ehe entwickelt hat.
Bereits Febos Sohn Luigi hatte seinen verwitweten Vater vor einer Heirat mit der lustigen 30-jährigen Witwe gewarnt. Das Problem lässt nicht auf sich warten. Dem ältlichen Liebhaber wurde dann auch nach den ersten gemeinsamen Nächten klar: Mit Adeles schamlosen Lustgefühlen beim Sex hätte nicht einmal ein 20-Jähriger mithalten können. Er wollte von ihr Liebe und Schönheit. Sie wollte sein Geld.
Die Liebe holt sie sich woanders. Unter dem Mantel der Wohlanständigkeit verschafft sich Adele ständig neue Möglichkeiten, um fremd zu gehen. Der gehörnte Ehemann schweigt beharrlich zu den Kapriolen und fortgesetzten Lügen, die er allerdings durchschaut.
Nüchtern, aber nie ohne Schmunzeln, beschreibt Camilleri Febos Grübeleien, die allerdings durch Zuwendungen im Bett sofort eingestellt werden. Gattin Adele ist eine regelrechte femme fatale, immer ihrem Ehemann einen Schritt voraus. Sie hat geradezu eine Meisterschaft darin entwickelt, sich ihre Vorteile zu sichern. Febo ist das durchaus klar. So weiß Adele bereits über seinen bevorstehenden Klinikaufenthalt und die Folgen Bescheid. Sie hat, wie er feststellen muss, sogar seine Beerdigung bereits geplant und hält nach seinem Testament Ausschau. - Welche Rolle dabei das im Titel erwähnte graue Kleid spielt sei hier nicht verraten.
Das graue Kleid ist ein vergnüglicher, durchaus hintergründiger, kleiner Roman des Sizilianers Andrea Camilleri, der einmal mehr beweist, dass er weit mehr beherrscht als das Verfassen intelligenter Kriminalromane um den bereits zu Weltruhm gelangten Commissario Montalbano.

Ein kleines literarisches Meisterstück!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann