Léon und Louise

Monatstipp April 2011

Alex Capus: Léon und Louise

Verlag: Hanser Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Was für ein fulminanter Roman, den uns der Hanser Verlag da vorlegt!
Leon und Louise, geschrieben von einem der sympathischsten Erzähler, die die europäische Literaturszene unserer Zeit hat, dem Schweizer Alex Capus. Buchkultur.de hat schon mehrere Werke dieses unglaublichen Erzähltalents zum Monatstipp gemacht, beispielsweise „Eine Frage der Zeit“ (September 2007) oder auch „Fast ein bisschen Frühling“ (April 2002), die Geschichte seiner Großmutter.
In „Leon und Louise“ (April 2011) nimmt sich Capus das Leben seines Großvaters vor.

Schon die erste Szene ähnelt einem Tusch: Während des Trauergottesdienstes anlässlich Leons Ablebens klacken die Absätze einer der Familie unbekannten eleganten Dame durchs Gewölbe, die gekommen ist, um von ihrer Lebensliebe Abschied zu nehmen. Von dieser Lebensliebe handelt Capus Roman, der, aus Enkelsicht erzählt, in den Wirren des ersten Weltkriegs seinen Anfang nimmt. Leon und Louise lernen sich in einem kleinen Ort an der Atlantikküste kennen und geraten zusammen in einen Fliegerangriff.
Beide wähnen den jeweils anderen tot und gehen eigene Wege.
Leon hat bescheidenen Erfolg im Beruf und heiratet früh, Louise verdient ihren Lebensunterhalt bei einer Bank. Erst 1928 begegnen die beiden sich zufällig in der Pariser Metro, und sofort ist ihnen klar, dass ihre Liebe noch immer blüht und an Intensität noch zunimmt. Einige Jahre führt Leon ein Doppelleben; seine Ehefrau Yvonne weiß von der heimlichen Liebe ihres Mannes, lässt ihn jedoch gewähren. Der zweite Weltkrieg trennt Leon und Louise erneut, Louise ist damit beauftragt, die französischen Goldreserven vor den Nazis in Sicherheit zu bringen; es verschlägt sie nach Afrika, von wo aus sie in langen Briefen, die Leon nie erreichen, ihre Liebe zu leben versucht, nicht wissend, ob der Adressat nicht längst bei einem deutschen Bombenangriff getötet wurde.
Mit bewegender Einfühlsamkeit erzählt Capus von den Gefühlen, die Leon und Louise über eine große Distanz hinweg für einander hegen, ohne Kontakt zu haben. Das ganze gelingt ihm mit beeindruckender erzählerischer Leichtigkeit und ganz ohne Pathos oder Kitsch – ja, streckenweise ist „Leon und Louise“ sogar ein urkomischer Roman über eine Liebe gegen alle Konventionen. Diese Liebe ist eine durch und durch respektvolle Angelegenheit, die keiner Ehe gefährlich wird und sehr lange warten kann und muss.
Ein ganz großer Wurf ,dieser Roman! Ich möchte ihn den Freunden der Buchkultur wärmstens empfehlen! Hier werden keine Klischees bedient, selbst das Ende vermag in seiner Unaufgeregtheit zu begeistern. An keiner Stelle von „Leon und Louise“ kommt Langatmigkeit auf; Capus findet genau die richtige Balance zwischen Detailverliebtheit und Vorantreiben einer alles in allem ruhigen Handlung. Seine Ironie macht die Lektüre zu Stunden des Lächelns.
So müsste man schreiben können!


"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann