Madalyn

Monatstipp Mai 2011

Michael Köhlmeier: Madalyn

Verlag: Hanser Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Nun gibt es unsere Tipps des Monats bereits seit vierzehn Jahren. Allerhöchste Zeit also, dass endlich ein Autor dabei ist, der schon lange zu den Großen der deutschen Gegenwartsliteratur gerechnet werden darf: Michael Köhlmeier, der Wahl-Wiener. Im Hanser Verlag ist unlängst sein wunderbarer Roman „Madalyn“ erschienen; mir empfahl eine liebe Kundin dieses Werk, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, weil mich „Madalyn“enorm bereichert hat.
In „Madalyn erzählt der bekannte Schriftsteller Sebastian Lukasser die Geschichte einer ersten Liebe - die der vierzehnjährigen Madalyn.
Madalyn wohnt im gleichen Haus wie er, einen Stock tiefer. Das Einzelkind geht aufs Gymnasium und hat eigenartige Eltern. Die Mutter geht lieber ins Fitnessstudio als sich um das Kind zu kümmern und äußert Meinungen wie „Kinder zu haben ist eine Art von Depression.“ Als Madalyn fünf Jahre alt ist, beobachtet der Schriftsteller zufällig, wie sie beim Fahrradfahren von einem Auto erfasst wird. Er leistet erste Hilfe und begleitet sie ins Krankenhaus – daraus entwickelt sich eine Freundschaft, in der er als „Schutzengel“ Madalyns gesehen wird.
Eigentlich hatte Lukasser über eine Romanfigur, der Madalyn Pate stehen sollte, zu schreiben beabsichtigt, aber das muss er nun hintanstellen, denn Fiktion mischt sich schlecht mit Wirklichkeit, und die wirkliche Madalyn erzählt ihm, vertraut sich ihm an, weil sie außer ihm niemanden hat: Sie ist 14 und erstmalig unsterblich verliebt. Moritz geht in dieselbe Schule wie sie. Er wurde dort wegen seines langen Sündenregisters sozusagen als seine „letzte Chance“ aufgenommen; er stiehlt, trinkt und lügt. Dennoch hat er Qualitäten. Madalyn ist von einem Gedicht, das er angeblich geschrieben hat, fasziniert.
Die beiden werden ein Paar, was Probleme auf den Plan ruft. Madalyn verheimlicht den Eltern die Beziehung, kommt zu spät heim, treibt sich mit Moritz herum und wird erwischt. Es hagelt Strafen. Sie selbst beschäftigen jedoch ganz andere Probleme, denn bei Moritz kann sie nie sicher sein, ob er ihr die Wahrheit erzählt und vor allem, ob sie seine einzige Freundin ist.
Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als Madalyns Vater der Familie eröffnet, dass sie aus beruflichen Gründen ins Ausland gehen werden.
Köhlmeiers Erzählstil ist brillant. Luzide, unaufgeregt, teilweise lakonisch, schafft er eine ungeheure Spannung. Der Leser misstraut Madalyn naturgemäß als Informantin. Erzählt sie wirklich die Wahrheit? Lukasser berichtet ja oft nur das, was er von Madalyn weiß. Die Ergänzungen aus seiner eigenen schriftstellerischen Beobachtung sind spärlich, wenn auch für ein nahezu vollständiges Bild ausreichend. Ein Buch über Schein und Sein! Erwachsenen eine Teenager-Liebesgeschichte unkitschig zu erzählen ist unerhört schwierig. Köhlmeier ist das hervorragend gelungen. Er vermag seine Leser mit seinen Charakteren zu fesseln und zu überraschen. Ganz große Literatur!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann