Die erste Liebe

Monatstipp Juli 2011

Véronique Olmi: Die erste Liebe

Verlag: Arche Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Was für ein wunderbares Sommerbuch! Veronique Olmi schenkt uns eine bezaubernde Geschichte, ganz leicht zu lesen, aber doch mit Tiefgang und sprachlicher Eleganz.
»Emilie, Aix 1976. Komm so schnell wie möglich zu mir nach Genua. Dario.« Als Emilie diese Suchanzeige auf einem Stück Zeitung entdeckt, in die der Sekt eingewickelt war, bereitet sie gerade das Abendessen für ihre Silberhochzeit vor, die sie mit ihrem Mann ausnahmsweise nicht im Restaurant und mit Gästen sondern zu zweit begehen möchte. Wie ist das nur möglich? Wieder und wieder liest sie diese Anzeige. 1976? Aix en Provence? Da war doch was! Da war etwas mit einem Dario! Ihre erste Liebe erlebte sie damals mit Dario in Aix en Provence. Jahrzehnte hat sie nicht mehr an Dario gedacht, und jetzt das!
Sie schaltet den Herd aus, lässt alles stehen und liegen, Silberhochzeit hin, Silberhochzeit her. Sie macht sich spontan auf den Weg nach Genua, überzeugt davon, dass das Leben eben Fragen stellt, die sofort eine Antwort brauchen.

Und während ihrer Fahrt macht sie sich ihre Gedanken und lässt den Leser daran teilhaben.
Sie weiß, dass weder ihr Mann noch ihre Tochter Verständnis für ihren übereilten Aufbruch haben werden, aber das spielt plötzlich gar keine Rolle.

Allein am Steuer, ist ihr, als ob eine Zwangsjacke aus Liebe, Gewohnheit und Langeweile endlich platzt und erinnert sich an das Gefühl, mit dem sie vor dreißig Jahren dem Leben begegnete. Sie erinnert sich an ihre Hoffnungen, ihre Träume, ihre Ängste und ihre Sehnsüchte. Sie erinnert sich an die Flucht aus dem zu behüteten, aber sehr strengen Elternhaus, an die fast symbiotische Nähe zu ihrer Schwester, die »ein Chromosom zuviel hat« und doch mit ihr mehr als nur ein Körnchen Verrücktheit und rebellische Fantasie teilte.
Und natürlich erinnert sie sich an Dario. Wen hofft sie wiederzufinden, nach all den Jahren? Warum rührt die Erinnerung an die erste Jugendliebe so tief, dass sie dafür ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen erwägt?

Lassen Sie sich überraschen, welche Wendungen die Geschichte parat hält. Veronique Olmi erzählt souverän und spannend, nicht ohne Komik, ein wunderbares Roadmovie.
Es kommt tatsächlich zur Begegnung mit Dario – so viel wage ich zu verraten, aber dann ….

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann