Neue Mitte

Monatstipp Oktober 2011

Jochen Schimmang: Neue Mitte

Verlag: Edition Nautilus
rezensiert von Christian Oelemann

Dass Jochen Schimmang ein bedeutender, sprachmächtiger Schriftsteller ist, wissen

Freunde der Buchkultur.de bereits durch unsere Empfehlung seines vorzüglichen Deutschlandromans „Das Beste, was wir hatten“. Sein neues Buch handelt ebenfalls von Deutschland, allerdings nicht von der Bonner Zeit, die sukzessive zur sogenannten Wiedervereinigung führte, sondern es spielt etwa im Jahr 2030 in Berlin.

Ungemein geschickt fasst Schimmang die totalitären deutschen Episoden (NS-Zeit, DDR) in einer vagen Junta-Vergangenheit zusammen, die zu einer heute noch zukünftigen Gegenwart führt, zur „Neue Mitte“. So lautet auch der Titel des wiederum bei Nautilus erschienenen Romans.

Die Hauptstadt Berlin liegt noch in Trümmern, nachdem Deutschland von alliierten Nachbarländern befreit wurde und allmählich zur Normalität (Neue Mitte) zurückkehrt. Noch stehen die ganzen Prunkbauten leer. Ulrich Anders lässt sich von einem Freund aus der Provinz nach Berlin locken, um mitzuwirken beim Aufbau einer neuen Bibliothek, die in einem ehemaligen Regierungsgebäude errichtet werden soll. Hier lernt er eine ganz neue Welt kennen.

Ungemein beeindruckend gelingt es Schimmang, einen Historienroman zu schreiben, der in der Zukunft liegt; anders aber als bei Orwell oder Huxley ist es ihm nicht um eine pessimistische Deutung der Geschichte zu tun, etwa der heutigen Kohl/Schröder/Merkel-Politik, sondern um einen literarischen Entwurf einer Welt, in der letztlich das bleibt, was die Literatur zuwege gebracht hat, angefangen beim seichten Kriminalroman bis hin zu den Hinterlassenschaften der großen Philosophen.

Ein wunderbares Buch hat uns Jochen Schimmang da geschenkt, das in der zu errichtenden Bibliothek in „Neue Mitte“ ganz sicher einen Ehrenplatz finden wird, hoffentlich aber auch in Ihrem Bücherregal oder auf Ihrem Nachttisch. „Neue Mitte“ regt wunderbar unaufgeregt zum Denken an, ist mit all seinen Anspielungen außerordentlich vergnüglich und mitunter tatsächlich spannend wie ein Krimi. Interessanter Weise spielt das E-Book in Schimmangs Bibliothek anno 2030 überhaupt keine Rolle.

Herzlichen Dank an Jochen Schimmang und den Nautilus Verlag für ein bedeutendes und beglückendes Buch!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann