Sommerhaus mit Swimmingpool

Monatstipp Dezember 2011

Herman Koch: Sommerhaus mit Swimmingpool

Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag
rezensiert von Christian Oelemann

Schon wieder heißt der Autor des Monatstipps Koch, liebe Freunde der Buchkultur. Aber diesmal handelt es sich um den Niederländer Herman Koch, den wir bereits im letzten Jahr mit seinem vorzüglichen Roman „Angerichtet“ lobten. Ich hätte nicht gedacht, dass sich „Angerichtet“ noch toppen ließe, aber genau das ist Herman Koch tatsächlich gelungen und zwar mit seinem Neuling „Sommerhaus mit Swimmingpool“.
Vorweg eine Warnung: dieses Buch ist dazu angetan, den Glauben an das Gute im Menschen nachhaltig zu erschüttern. Vor allem, wenn es sich dabei auch noch um einen Hausarzt handelt.

Marc Schlosser ist Hausarzt in Amsterdam. Nachdem einer seiner Patienten, der berühmte Schauspieler Ralph Meier, gestorben ist, muss er sich wegen eines möglichen Kunstfehlers vor der Ärztekammer verantworten. Was Schlosser über Patienten denkt, was er von den Menschen hält, die auf seine Hilfe angewiesen sind, hat mich erschüttert, ja regelrecht vor den Kopf gestoßen. Aber war es wirklich ein Kunstfehler, dem Meier zum Opfer fiel? In raffinierten Rückblenden erfährt der Leser von Geschehnissen im Ferienhaus des Schauspielers , in dem Marc Schlosser mit seiner Familie den letzten Sommer verbrachte. Zwei heranwachsende Töchter hat Marc Schlosser, Lisa und Julia. Und eine attraktive Frau, Caroline. Als sein Patient Ralph Meier, selbst verheiratet und Vater zweier jugendlicher Söhne, ihn und seine Familie einlädt, sie im Sommer ein paar Tage in seinem Ferienhaus in Frankreich zu besuchen, klingt das zunächst wie eine gute Idee. Doch weit gefehlt!
Nun, nach Ralphs Tod, also anderthalb Jahre nach den gemeinsamen Urlaubstagen, treten unglaubliche Verwerfungen zwischen den beiden Familien sukzessive zu Tage, und der Leser fiebert buchstäblich bis zur letzten Seite (!) weiteren Enthüllungen entgegen. "Sommerhaus mit Swimmingpool" ist ein ungemein spannendes, meisterlich komponiertes Familiendrama, in dem Vaterinstinkte, sexuelle (Ohn)-Macht und Heuchelei die entscheidenden Rollen spielen.

Mit lakonischem Witz und messerscharfer Beobachtungsgabe legt Herman Koch gesellschaftliche und familiäre Risse bloß und erschafft mit Marc Schlosser den wohl widerwärtigsten Hausarzt der Weltliteratur.
Donnerwetter, kann ich da nur sagen!

Freuen Sie sich auf eine ungemein faszinierende Lektüre!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann