Agent 6

Monatstipp Januar 2012

Tom Rob Smith: Agent 6

Verlag: Manhatten
rezensiert von Christian Oelemann

Leo Demidow, der „Held“ des Romans „Agent 6“ von Tom Rob-Smith, ist dem Lesepublikum bereits seit den zu recht gerühmten Geschichtsthrillern „Kind 44 und „Kolyma“ bestens bekannt. Aber auch, wenn nicht, handelt es sich bei Rob-Smith’s neuestem Buch nicht um den dritten Teil einer Trilogie, die die Lektüre der beiden Vorgängerbände zwingend voraussetzt, denn „Agent 6“ ist durch und durch anders, vor allem sprachlich. Was für ein hervorragender Roman, der im Moskau des Jahres 1950 seinen Anfang nimmt!
Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin besucht die Sowjetunion, um sein idealistisches Bild des Kommunismus zu überprüfen. Damit der Star nicht hinter die wahren Kulissen des eigens für ihn inszenierten Alltags blicken kann, wird ihm Geheimdienstoffizier Leo Demidow an die Seite gestellt. Doch trotz Leos Einsatz kommt es beinahe zum Eklat.
Fünfzehn Jahre später reist Demidows Frau Raisa mit ihren beiden Töchtern nach New York, wo ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler für Entspannung im Kalten Krieg sorgen soll. Auch Jesse Austin wir eine Rolle bei diesem Spektakel zugewiesen. Austin’s Karriere ist mittlerweile mit Hilfe des FBI im Sande verlaufen. Der Abend endet mit mehreren Toten, darunter auch Leos geliebte Ehefrau Raisa. Angeblich ist sie von der Gattin des getöteten Sängers erschossen worden. Nur ein Mann weiß, was wirklich geschehen ist: „Agent 6“. Leo ist von dem Gedanken, den Mann zur Verantwortung zu ziehen, der ihn zum trauernden Witwer gemacht hat, regelrecht besessen. Alles nimmt er in kauf, um nach New York zu gelangen und vor Ort zu recherchieren, sogar eine Beratertätigkeit für die sowjetische Regierung in Afghanistan, nachdem ihn der KGB unehrenhaft entlassen hat und ein Fluchtversuch über die finnische Grenze scheitert.
Tom Rob Smith hat sich bewundernswert in die Geschichte der Sowjetunion eingearbeitet; es gelingt ihm hervorragend, den Nachgeborenen eine plastische Vorstellung vom Kalten Krieg zu vermitteln – nicht nur Russland sondern auch die USA betreffend.
„Agent 6“ ist darüber hinaus eine ergreifende und feinfühlig erzählte Liebesgeschichte, die dieses Buch auch für Leser interessant werden lässt, die sich sonst von Spannungsliteratur fernhalten. Ausdrücklich empfehlen möchte ich neben der gut 500 Seiten starken Printausgabe die Hörbuch-Version, grandios eingelesen von Dietmar Bär!
Ein starkes Stück!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann