Siebzehn Silben Ewigkeit

Monatstipp April 2010

Denis Thériault: Siebzehn Silben Ewigkeit

Verlag: dtv
rezensiert von Susanna Erb

Siebzehn Silben Ewigkeit - ein geheimnisvoller, poetischer Titel für einen Roman, der sowohl etwas Besonderes verspricht als es auch einlöst!
Nach zweifacher Lektüre muß ich Denis Thériault nun endlich einen Platz in unseren "Tipps des Monats" einräumen. Ich möchte seinem außergewöhnlichen wunderschönen Roman, der Oktober 2009 erschien, einen ganz persönlichen Preis verleihen, nachdem er bereits 2006 den "Prix littéraire Canada-Japon" erhalten hat.
Als ich Denis Thériault meine Begeisterung mitteilte, antwortete er mir, daß dieses Berührtsein der Leser die größte Auszeichnung für einen Schriftsteller sei.
Ich wünsche ihm also ganz viele weitere begeisterte Leser und ich finde: die hat er wirklich verdient!
Vor dem Hintgergrund der Lebensphilosophie des "Enso" (ein Symbol für Unendlichkeit), entwickelt Denis Thériault eine bezaubernde Liebesgeschichte, in der Haikus es vermögen, Herzen zu öffnen.
Der junge Briefträger Bilodo, der in Montreal seine Post austrägt, liebt seinen Job über alles.
Er, der zurückgezogen lebende Einzelgänger, ist pflichtbewusst und zuverlässig und hat ein geheimes Laster, das ihm neben seinem Briefträgeruniversum ein Paralleluniversum offenbart: Er ist ein "Brief-Voyeur".
Die in Zeiten der elektronischen Post so selten gewordenen Privatbriefe reizen seine Neugier und er erlaubt es sich, ihre geheimnisvollen, handgeschriebenen Inhalte vor der Zustellung in Augenschein zu nehmen.
Als er auf diesem Weg Ségolène, eine schöne junge Guadelouperin "kennenlernt", taucht er ganz ein in ihre Welt. Und er verliebt sich in sie!
Er ist fasziniert von ihren Briefen, die jeweils nur ein Haiku enthalten (das ist eine klassische japanische Gedichtform, bestehend aus siebzehn Silben), und die ihn magisch in ihre exotische Welt ziehen.
Als Freund der Kalligraphie bewundert er die kleinen Kunstwerke, die sich in den Umschlägen verstecken. Er fühlt sich angezogen, berauscht und verzaubert und umgibt sich mit einer Sammlung der Kopien, die er für sich anfertigt und in denen er mit Ségolène "lebt".
Gaston Grandpré, Literaturprofessor und glücklicher Empfänger dieser Briefe, ist sein Rivale und zugleich Zugang zur Quelle seines Reichtums.
Bilodo fehlt nichts zu seinem Glück und er wünscht sich nichts sehnlicher als die ewige Aufrechterhaltung dieses status quo.
Er beobachtet Grandpré und wird eines Tages Zeuge seines Todes.
Hilflos und verzweifelt wird er sich des Endes jenes schönen, reichen, verliebten Universums bewusst, das nur durch Grandprés Atem lebte.
Auf dem Höhepunkt seiner Verzweiflung hat er die rettende Idee: nach und nach schlüpft er in dessen Identität.
Nach langer, mühsamer Einübung in Grandprés Seele kann er die Korrespondenz mit Ségolène fortsetzen, ohne dass sie Verdacht schöpft.
Er ist selig.
Bis sein geheimes Universum entlarvt wird. Bis er von seinem einzigen Freund Robert, der ihn aus seiner Einsamkeit retten will, denunziert wird.
Bilodo zieht sich nun ganz aus der realen Welt zurück und lebt fortan nur noch in seinem Phantasie-Universum. Er perfektioniert seine Gedichtkunst, wagt sich vor zu den Tankas (eine erweiterte Form der Haikus), begibt sich mit Ségolène auf erotisches Terrain und steuert unaufhaltsam auf den Höhepunkt zu.
Doch auch damit ist noch nicht alles erreicht.
Ich verspreche Ihnen neben ganz zarter, unaufdringlicher Romantik in ganz poetischer Sprache auch einen Schuss Spannung und Überraschung und ein Ende, das kein Ende ist .......

Ein Roman-Juwel
Viele Seiten Seligkeit
Berührte Herzen

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann