Gerron

Monatstipp September 2011

Charles Lewinsky: Gerron

Verlag: Nagel & Kimche
rezensiert von Christian Oelemann

Schon lange habe ich nicht mehr so ungeduldig auf das Erscheinen eines Romans wie „Gerron“ gewartet. Nachdem ich Charles Lewinskys neuen Roman gelesen hatte, konnte ich wochenlang keine Folgelektüre finden, so sehr beschäftigte und begeisterte mich dieses Werk.
Kurt Gerron war ein in Deutschland berühmter Schauspieler und Regisseur in der Übergangszeit vom Stumm- zum Tonfilm; heute noch ist er bisweilen zu sehen, wenn „Der blaue Engel“ oder „Die Drei von der Tankstelle“ wiederholt werden.
In die Geschichte eingegangen ist der Jude Kurt Gerron aber vor allen Dingen wegen seiner Regiearbeit am Propagandafilm der Nazis über Theresienstadt „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“.
Lewinsky fängt ungemein kunstvoll die Überlegungen des übergewichtigen Theater- und Filmstars ein, der mit Kurt Weils Dreigroschenoper, vor allem darin „Mackie Messer“, weltweit in aller Mund war und der lange mit sich haderte, ob er einen solch makabren Regieauftrag annehmen oder ablehnen sollte.
Darum geht es in diesem üppigen Roman: um einen schwierigen Entscheidungsprozess!

Lewinsky nimmt uns mit auf Kurt Gerrons letzte Reise – ein Kurt Gerron, der trotz der entwürdigenden Umstände nicht seinen Humor verloren hat und frei heraus aus dem Nähkästchen der Filmszene in Deutschland plaudert; wir erfahren höchst Amüsantes, zum Teil aber auch Ernüchterndes über die Charaktere eines Heinz Rühmann, eines Willy Fritsch, einer Marlene Dietrich, eines Peter Lorre, eines Berthold Brecht.
Nie habe ich so informativ und dabei unterhaltsam über die Stimmung im Deutschland der Dreißigerjahre gelesen wie in Lewinskys meisterhaftem Roman, der auch in sprachlicher Hinsicht den Höhepunkt einer beachtlichen Autorenkarriere bedeutet (immerhin legte Lewinsky hoch gepriesene Werke wie „Melnitz“ oder „Johannistag“ – beide Tipps des Monats bei uns - vor).
Mit „Gerron“ ist Charles Lewinsky ein Buch geglückt, wie es nur wenige gibt.
Voller Dankbarkeit verneige ich mich vor Kurt Gerron und seinem literarischen Alter Ego Charles Lewinsky!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann