Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Monatstipp Mai 2017

Basile, Salvatore: Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Verlag: Blanvalet
rezensiert von Susanna Erb

Ein kleiner Ort in Italien: Miniera di Mare. Darin ein Bahnhof: Abfahrts – und Ankunftspunkt eines einzigen Zuges, der morgens ins Landesinnere startet und abends von dort zurückkehrt.
Michele lebt seit 30 Jahren auf diesem Bahnhof, im Haus seines Vaters, der ihm nach seinem Tod seinen Job „vererbt“ hat. Morgens verabschiedet er wortlos die Fahrgäste und abends empfängt er sie wieder. Dann räumt er den Zug auf, reinigt ihn und sammelt die liegengebliebenen Fundsachen ein. Er katalogisiert und sammelt sie: seine einzigen „Lebensbegleiter“, die ihm die Sicherheit und den Schutz geben, den ihm sonst niemand zu geben vermag.
Michele war 7 Jahre alt, als seine Mutter die Familie verließ. Vor ihrem Abschied bat sie ihn noch um sein kleines rotes Tagebuch, legte es in ihren Koffer und verschwand für immer. Sein Vater, selbst verletzt, konnte ihm nicht helfen und impfte ihm Mißtrauen ein. Seine Welt schrumpfte auf die kleine Bahnhofswelt zusammen.
Deshalb ist der plötzliche Einbruch Elenas in sein Leben geradezu bedrohlich für ihn.
Sie hat etwas Wertvolles im Zug liegen lassen und möchte es von Michele zurück haben.
Mit ihrem jugendlichen Temperament überfällt sie Micheles Stille und Zurückgezogenheit, seine Ordnung und seine Sicherheit. Er ist viel zu bestürzt, um sie abweisen zu können.
Kurz nach diesem „Einbruch“ erlebt er einen weiteren: er findet eines abends bei seinem Zug-Kontrollgang sein altes rotes Kindertagebuch. Nun droht seine Welt, aus der er auch zum Selbstschutz alle Erinnerungen verbannt hat, zusammenzubrechen. Dieser Fund ruft ihm die Schrecken seiner Kindertage wieder ins Bewußtsein und gleichzeitig die wichtigste alle nie beantworteten Fragen: „Warum hat seine Mutter ihn damals verlassen und warum ist sie nie mehr zurückgekommen?“
Elena, die bereits einen Fuß in der Tür hat, tritt nun weiter ein und drängt ihn, auf die Suche nach seiner Mutter zu gehen. Mit ihrer Starthilfe wagt er schließlich den Absprung aus seiner Sicherheitszone ins Ungewisse und macht sich ohne Sicherheitsnetz auf in die „feindliche“ Welt.
Die Suche nach seiner Mutter entwickelt sich zugleich zu einer Reise zu sich selbst.
Nachdem sein innerer Schutzwall Risse bekommen hat, öffnet er sich nach außen und nach innen.
Am fünften Tag seiner Reise kehrt er vollkommen verändert, bereichert und geläutert zurück.
Die Reise ist abenteuerlich und voller Überraschungen und gebannt erwartet man die nächste Höhe, das nächste Tal
und die Abzweigung durch alte Verletzungen hindurch in ein neues Vertrauen und in das Wagnis der Liebe hinein,
um am Ende im Hafen der tröstlichen Gewißheit anzukommen:
es gibt kein Geheimnis, das nicht gelüftet werden könnte – solange man nur das Werkzeug des Verstehens dafür besitzt, daß jeder Mensch auf der Bühne des Lebens seine Rolle so gut spielt wie es ihm eben möglich ist.
Hiermit lade ich Sie ein, in Micheles Zug einzusteigen.
Dieses Buch ist Ihre Fahrkarte – ein berührendes Roman-Erstlingswerk des italienischen Drehbuchautors und Regisseurs Salvatore Basile.
Und nicht zu vergessen: das Cover ist ganz bezaubernd und inhalts-kompatibel gestaltet.
Also dann: Gute Fahrt!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann