Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben

Monatstipp März 2017

Bondoux/Mourlevat: Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben

Verlag: Deuticke
rezensiert von Susanna Erb

Tipp des Monats März 2017

Anne-Laure Bondoux/Jean-Claude Mourlevat: Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben

rezensiert von Susanna Erb


Wenn Sie sich entschließen sollten, dieses Buch zu lesen, dann gönnen Sie sich außerdem am besten großzügig Zeit.
Denn einmal begonnen, werden Sie die Lektüre nicht unterbrechen wollen (bzw. Sie werden jede Unterbrechung bedauern), denn der Sog ist unwiderstehlich.
Ach, ich projiziere ja.
Und suggestiv bin ich außerdem.
Das kann eben passieren, wenn mich etwas so begeistert wie dieses beinah unbeschreibliche Buch.
Und natürlich kann man Begeisterung nicht entsprechend rüber bringen, ohne "auf den Putz zu hauen".
Also muß ich es tun.
Dieses Buch ist eine geniale Schöpfung!
In Briefen, die kleinen Roman-Kapiteln gleichen, entfalten ein Mann und eine Frau einander ihre Lebensgeschichten und nähern sich einem gemeinsamen Drama.
Der Auslöser der Korrespondenz: sie, 34 Jahre alt, schickt ihm, 60 Jahre alt und bekannter Schriftsteller, einen dicken Umschlag mit geheimnisvollem Inhalt.
Sie haben einander nie gesehen.
Er reagiert auf die Sendung mit einer mail an sie (die Adresse hat sie ihm hinterlassen) und weist sie
darauf hin, daß er keine Manuskripte liest und den Umschlag also nicht öffnen und ihn an sie zurückschicken wird.
Doch beinhaltet der Brief wirklich ein Manuskript?
Die beiden geraten schnell in eine Unterhaltung, die sich äußerst spannend entwickelt.
Sie ist eine begnadete Schreiberin, wie er findet.
Am Ende bleibt der Umschlag ungeöffnet liegen.
Beide locken den anderen zu immer größeren Geständnissen und tauchen in die Tiefe ihrer jeweiligen Existenzen.
Dabei "geizen" sie nicht mit Schicksalsschlägen, die sie geprägt und noch nicht verdaut haben. Eine Überraschung jagt die nächste, während sie einander sehr aufmerksam zuhören und ebenso aufmerksam aufeinander eingehen und an der Geschichte des anderen teilnehmen, sich Fragen stellen und Antworten geben -
immer auf dem schmalen Grat zwischen Lüge und Wahrheit balancierend, und voneinander abhängig werden.
Derweil taucht immer wieder die Frage nach dem verschlossenen Umschlag auf.
Eine subtile, sukzessive sich steigernde Spannung bestimmt den Fortlauf der Geschichte, die in einer wunderbaren Sprache auf den Höhepunkt zusteuert.
Der Leser wird unweigerlich in diesen Austausch authentischer Gefühle und Offenbarungen verwickelt und hineingesaugt.
Und dann knallt es endlich, nachdem man es kaum mehr aushält:
das Geheimnis um den Brief und um die Absenderin wird gelüftet und man kann aufatmen.
Die Geschichte ist verdammt gut komponiert und die Briefform vermittelt einem das Gefühl, in fremde, intime Schubladen zu schauen und man wird unweigerlich neugierig.
Das geschickt und hübsch gestaltete Cover des Buches ist durchaus verräterisch: das Leben geht mitunter komische Wege, bevor es für die ungeschminkte Wahrheit reif ist.
Ich bin völlig verzaubert von diesem literarischen Kunststück und das ist - Ehrenwort - keine Lüge!
Ein Kleinod aus dem Verlag Deuticke/Zsolnay: für sie UND ihn!
Bittesehr!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann