Unsere Seelen bei Nacht

Monatstipp April 2014

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann

Ein wunderbares, literarisches Kleinod:
Addie Moore, eine weißhaarige, noch immer gut aussehende Witwe von siebzig Jahren läutet eines Abends bei Louis Waters, einem pensionierten Kleinstadtlehrer, der ebenso wie sie seit über vierzig Jahren in Holt (Colorado) lebt, nur einen Häuserblock entfernt. Sie lädt ihn ein, gelegentlich bei ihr zu schlafen. Es geht ihr nicht um Sex sondern um Überwindung nächtlicher Einsamkeit, um Gespräche also. Schon am folgenden Tag besucht Louis Addie, zunächst noch mit gemischten Gefühlen. Viel Schlaf bekommt er in dieser ersten Nacht nicht – dazu ist er zu aufgeregt – aber er fühlt sich bei Addie wohl. Bis zum nächsten Treffen der beiden dauert es eine Woche, weil Louis erkrankt und ins Spital muss. Addie besucht ihn dort und sorgt für Klarheit: beide wollen ihre nächtlichen Treffen fortsetzen. Am Morgen nach ihrer zweiten Nacht erfährt Louis, dass in der Nachbarschaft bereits über seine Besuche bei Addie getratscht wird. Am Abend berichtet er seiner Freundin davon; sie spürt, wie aufgebracht er ist und beruhigt ihn durch ihre Gelassenheit.
Addie´s Sohn Gene hat existenzielle Probleme und bittet sie, eine Zeitlang seinen sechsjährigen Sohn Jamie zu sich zu nehmen. Jamie leidet zunächst unter Heimweh und schläft in der Nacht in Addie´s Bett. Am folgenden Tag besuchen die beiden Louis, der sich mit dem Jungen auf Anhieb gut verträgt. Schon bald kehrt Louis zum Übernachten zurück in Addie`s Haus und Jamie, noch immer ängstlich, darf zwischen ihnen liegen.
Nach einigen Wochen überlegt Louis, einen Hund für Jamie anzuschaffen und so geschieht´s, Nachts
schläft der Hund auf Jamie´s Bett, sodass Louis und Addie an ihre Gewohnheit anknüpfen können, neben einander ohne den Jungen im großen Bett zu liegen, der sich mittlerweile bei Großmutter, Quasi-Großvater und Hundefreundin rundum wohlfühlt.
Ende August nimmt Gene seinen kleinen Sohn wieder zu sich. Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Freundschaft der beiden Alten ablehnt und wünscht nicht, dass Laurie unter solch moralisch bedenklichen Umständen aufwächst. Schlimmer noch: er verbietet seiner Mutter die Beziehung zu Louis. Das hat erhebliche Konsequenzen…
Fünf Romane um den imaginären Ort Holt hat der us-amerikanische Schriftsteller Kent Haruf verfasst; dies ist sein letzter. 2014 verstarb der großartige Autor mit 71 Jahren.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann