Füttere den weißen Wolf

Monatstipp Februar 2017

Ronald Schweppe/Aljoscha Long: Füttere den weißen Wolf

Verlag: Kösel
rezensiert von Susanna Erb

Ja, das ist mal ein Monats-Tipp ganz anderer Art. Warum nicht?!
Krimis und Dramen stürmen die Bestsellerlisten und ihnen ist das Leser-Interesse konsequent sicher.
Deshalb stelle ich Ihnen mal ganz bewußt ein Buch vor, das ganz ohne Konkurrenzgelüste in die riesige Bücherlandschaft hineingeboren wurde.
Eine Fütterungs-Anleitung für den Polarwolf?
Das hübsche Tier dient hier als Metapher. Ihm steht der schwarze Wolf gegenüber.
Wer kennt sie nicht: die zwei Seelen in der Brust (siehe auch Goethes Faust)...
In diesem wundervollen Buch werden Weisheitsgeschichten aus aller Welt vorgestellt, die einerseits auf dieses ganz normale menschliche Dilemma verweisen und es andererseits zu lösen versuchen.
Das Lesen alleine entspannt schon und verspricht einem so manches Aha-Erlebnis.
Über jeder Geschichte steht die unausgesprochene Frage: welcher Wolf wird im Kampf gegen den anderen gewinnen:
der schwarze, rachsüchtige, grausame, gierige oder der weiße, kluge, sanfte liebevolle?
Natürlich gewinnt der, der entsprechend gefüttert wird.
So weit so gut.
Für den einen Leser ist das vielleicht ein Ausflug in ein noch unbekanntes Abenteuer, für den anderen ein Spaziergang in eine bereits vertraute Landschaft.
Je nach Lese-Bereitschaft wird man mit Glück belohnt.
Das kann ich nur bestätigen!
Ob es um das Thema "Haben oder Sein" geht, um Vergänglichkeit, Zeit, Streß, Angst oder Freiheit....
... die zwei Seelen werden jeweils vor die Entscheidungs-Frage gestellt und die Antwort darauf gibt das Herz (nicht der Kopf).
Wer mag, kann auch den einfühlsamen, unaufdringlichen Erläuterungen im Anschluß an jedes der ca. 40 Märchen folgen und bekommt eventuell sogar Lust auf die eine oder andere angebotene Übung, in der es um's Füttern geht.
Hier erwartet Sie demnach ein ganz anderes Lese-Vergnügen als es die Romanwelt bietet.
Einen Versuch ist diese bereichernde Lektüre allemal wert.
Denn zwei Wölfe heulen ununterbrochen nach Futter ........

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann