Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

Monatstipp Januar 2017

Stradal, J. Ryan: Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann

Eine verführerische Geschichte über den Zauber des Geschmacksinns



Im Gegensatz zu ihrem Mann Lars Thorwald kommt Cynthia Hargreaves mit ihrer Elternrolle überhaupt nicht zurecht. Lars, der Sterne-Koch liebt die kleine Tochter Eva aus vollem Herzen und lebt, seit sie da ist, nur noch für sie. Cynthia kann das nicht. Schweren Herzens entschließt sie sich dazu, sich von Mann und Kind zu trennen und nie wieder etwas von sich hören zulassen. Dass Lars wenig später einem Herzinfarkt erliegt und die kleine Eva von Lars Bruder Jarl und dessen Frau großgezogen wird, erfährt sie nicht.
Gut 25 Jahre später stößt Cynthia im Internet auf ein Event namens Das Dinner. Die Essen der in ganz Amerika berühmten Starköchin Eva Thorwald sind so begehrt, dass Liebhaber aus dem ganzen Land anreisen und sage und schreibe 5000 Dollar für einen Platz am Tisch der Thomsen bezahlen.
Cynthia erkennt auf dem Foto der Starköchin ihre Tochter und meldet sich und ihren derzeitigen Mann im Internet zum nächsten Kochevent an, einzeln und auf jeden Namen, damit die Wahrscheinlichkeit, eines Tages dabei sein zu können, etwas größer wird.. Drei Jahre später ist es so weit, ihr (mittlerweile) Ex-Mann gedenkt allerdings, mit seiner neuen Frau am Dinner teilzunehmen und lässt sich erst erweichen, als sie verrät, dass es sich bei Eva Thomsen um ihre eigene Tochter handelt, von der er nichts wusste.
Grandios erzählt J Ryan Stradal von der erst elfjärigen Eva, die in ihrem Kleiderschrank Chili zieht, besonnt von den Lampen, mit denen ihr Cousin Randy einst Cannabis züchtete. Und, noch viel besser: sie besitzt den absoluten Geschmackssinn. So wird aus einem schüchternen kleinen Mädchen die gefragteste Köchin Nordamerikas. Mit ihren Kochkünsten verzaubert Eva die Menschen.
Dieser Roman schreit geradezu nach einer Verfilmung, und unseres Wissens sind die Rechte bereits unter Dach und Fach. Erst aber mal heißt es lesen! Dabei entsteht fast immer der beste Film – im Kopf!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann