Raumpatrouille

Monatstipp Oktober 2016

Brandt, Matthias: Raumpatrouille

Verlag: Kiepenheuer&Witsch
rezensiert von Christian Oelemann

Ein hervorragender Schauspieler muss nicht zwangsläufig auch ein guter Schreiberzähler sein.
Matthias Brandt allerdings, einer der exzellentesten Theater- und Filmschauspieler der Gegenwart, ist ein brillanter Erzähler.
In »Raumpatrouille« versammelt er seine Bonner Kindheitserinnerungen als Bundeskanzlersohn in den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren.
Brandt erzählt humorvoll und bar jeder Selbstbeweihräucherung aus seiner Kindheit; wir erfahren Einiges über einen manchmal bissigen Hund namens Gabor, wir erfahren von Herrn Vianden, dem mysteriösen Postboten, wir erfahren von verschreckten Nonnen und kriegsbeschädigten Religionslehrern. Besonders beeindruckend ist Brandts Schilderung seiner Freundschaft zum in der Nachbarschaft wohnenden Alterspräsidenten Heinrich Lübke, bei dem er oft Kakao bekam: »Sie lachten anscheinend darüber, dass ihm meist die richtigen Worte fehlten und er dann, anstatt lieber zu schweigen, die denkbar ungeeignetsten verwandte. Ich wusste, wie das war. Jedenfalls fühlte ich mich ihm in diesem Augenblick näher als allen, die sich über ihn erhoben. Obwohl ich mich ärgerte, protestierte ich nicht sondern blieb stumm, aus Angst, dass der Spott sich sonst noch gegen mich richten würde.»
Ausschließlich Heiterkeit kommt in der Geschichte »Welthölzer« auf, die von einer geplanten Fahrradtour handelt. Matthias begleitet seinen Vater und Herbert Wehner, die gerade mal wieder nicht gut auf einander zu sprechen sind, bei einer geplanten Fahrt durch die Weinberge. Nie zuvor hat Matthias Willy radeln sehen, und er bezweifelt – völlig zu recht, wie sich herausstellt - dass er es überhaupt könne. Schon nach wenigen Metern kommt es zum befürchteten Sturz und Willy tritt rauchend den Heimweg an, sein Fahrrad einfach auf dem Weg zurücklassend.
Ihrer geeigneten Kürze wegen eignen sich Matthias Brandts Geschichten vorzüglich zum öffentlichen Vortrag, und dem, der solches vorhat, sichere ich ein erheitertes, mitunter auch nachdenkliches, in jedem Fall aber glänzend unterhaltenes Publikum zu.
Ein literarischer Kleinod!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann