Das Leben ist gut

Monatstipp September 2016

Capus, Alex: Das Leben ist gut

Verlag: Hanser
rezensiert von Christian Oelemann

»Ich bin ein umgekehrter Odysseus. Ich bleibe zu Hause, während meine Penelope in die Welt hinauszieht.«
Ja, der Ich-Erzähler des neuen Romans von Alex Capus bleibt zu Hause; Capus, der schon für einige Monatstipps auf unserer Seite gesorgt hat, beispielsweise »Fast ein bisschen Frühling«, »Eine Frage der Zeit« und selbstverständlich »Léon und Louise«, einer der bezauberndsten und gleichzeitig vergnüglichsten Liebesromane unserer Zeit, ist ein Meisterschriftsteller, ein begnadeter Fabulierer, der nichts aufbauscht sondern das Schwierige einfach werden lässt. Um Liebe geht es auch in »Das Leben ist gut«, dem jüngst im Hanser Verlag erschienenen neuen Buch des Schweizers, auf dem als Gattungsbezeichnung Roman angegeben ist, obwohl Liebeserklärung die treffendere Kennzeichnung wäre. Der Schriftsteller Alex Capus erfindet den Schriftsteller Max und seine Frau Tina. Zum ersten Mal in fünfundzwanzig Jahren schlafen die beiden nicht im selben Bett, denn eine Gastprofessur für internationales Strafrecht nebst Forschungsauftrag an der Sorbonne konnte Tina nun wirklich nicht ausschlagen. Max war noch nie ohne sie weg, und er denkt über das Leben eines Daheimgebliebenen nach. Vor ein paar Jahren hat er die Pacht für die Sevilla-Bar im Bahnhofsviertel übernommen, er bringt über Tag das Altglas weg, repariert das Mobiliar – oder begibt sich auf die Suche nach einem ausgestopften Stierkopf, der unbedingt über dem Tresen hängen soll; tagein, tagaus steht er nun zwischen 18 Uhr und Mitternacht hinterm Tresen seines Lokals und bedient dort die unterschiedlichsten Typen. Für bzw. über jeden Stammgast hat Max eine (mitunter durchaus verrückte) Geschichte parat, die er (stets in Gedanken an seine liebe Frau) erzählt, quasi um sich die Zeit bis zu Tinas Wiederkehr zu vertreiben. »Max oder wie er die Welt sieht« könnte das Buch heißen, denn Capus lässt einen Schriftsteller die Gegenwart seiner Schweizer Heimatstadt (Olten?) beschreiben, und wir entdecken, dass er ebenso unsere Umgebung meint, egal, ob in Wuppertal, Hassloch oder Bruchsal, all das, was sich binnen kürzester Zeit unwiderruflich gewandelt hat und zu einer uniformen Welt geführt hat. Die Veränderungen im zweiten Dezennium des einundzwanzigsten Jahrhunderts sind überall bestürzend ähnlich, und wer könnte sie besser in Sprache bringen, als einer, der immer vor Ort bleibt und so genau hinsieht, wie Alex Capus es tut, einer, der das Gesehene in poetischen Sprachbildern festzuhalten vermag wie kaum ein Anderer.
»Das Leben ist gut« ist ein Geschenk ans Herz wie an den Verstand ebenso. Vor Alex Capus ziehe ich nicht zum ersten Mal den Hut und rufe ihm zu: wunderbar! Seien Sie herzlich bedankt, Sir!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann