Vom Ende der Einsamkeit

Monatstipp April 2016

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann

Einer der jüngsten Diogenes-Autoren, Benedict Wells, veröffentlichte vor fast fünf Jahren seinen letzten Roman, und schon der war nicht sein erster und ehrlich gesagt: bemerkenswert. »Fast genial« hieß er, und es handelte sich um einen klassischen Selbstfindungsroman, ausgesprochen witzig und fantasievoll. Nun aber hat Benedict Wells einen reifen Roman geschrieben, dem ich das Prädikat Meisterwerk verleihen möchte: „Vom Ende der Einsamkeit“.
Er beginnt wie eine normale Familiengeschichte, doch wie so oft im Leben ändert ein Schicksalsschlag von einer Sekunde das Leben des Erzählers Jules von einem Moment auf den anderen. Seine Eltern kommen bei einem Autounfall um. Jules, sein älterer Bruder und seine Schwester müssen aufs Internat, wo sie getrennt werden. Jules ist ein nachdenklicher Charakter, mit dem man sich nicht rasch befreundet. Seine Geschwister finden indes sofort und reichhaltig Anschluss. Die Trauer um ihre Eltern verbindet die drei zwar zunächst, doch entfernen sie sich von einander zusehends.
Jules, der gern Schriftsteller werden möchte, verliebt sich in Alva, die einzige Klassenkameradin, die ähnlich introvertiert wirkt wie er. Marty entwickelt sich zum Streber, Liz, hingegen zum genauen Gegenteil: Sex ’n drugs.
Jules Vater war leidenschaftlicher Fotograph gewesen und hatte ihm kurz vor seinem Tod eine Kamera geschenkt. Jules quält das schlechte Gewissen wegen eines Streits mit dem Vater und er versucht sich halbherzig in des Vaters Fußstapfen als Fotograph.
Marty hingegen arbeitet zielstrebig an seiner Karriere als Manager. Liz stürzt sich in eine zu frühe Ehe und verfällt dem Alkohol.
Zu Alva verliert Jules lange Zeit den Kontakt, bis sie sich zufällig wiederbegegnen. Vergessen können hatte er sie nie. Alva lebt mittlerweile mit dem wesentlich älteren Schriftsteller Alexander Nikolaj Romanow zusammen. Es beginnt eine hoch komplizierte und dennoch leidenschaftliche Dreiecksbeziehung.
«Vom Ende der Einsamkeit» ist in erster Linie eine Liebesgeschichte, aber auch ein philosophischer Spannungsroman, der lebenswichtigen Fragen nachgeht: Gibt es überhaupt Sicherheiten? Kann man sein Leben beeinflussen oder ist man lediglich Opfer der Verhältnisse, die einem das Leben vorgibt? Davon erzählt Benedict Wells so empathisch, sprachlich so versiert und doch leise, bescheiden, dass man ihm die Hand schütteln möchte, um sich für dieses feine Stück Literatur zu bedanken, das er uns Lesern geschenkt hat. Oder, um es mit einem Wort zu sagen: wunderbar!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann