Der namenlose Tag

Monatstipp Februar 2016

Ani, Friedrich: Der namenlose Tag

Verlag: Suhrkamp
rezensiert von Christian Oelemann

Friedrich Ani: Der namenlose Tag

Mit Denis Scheck und seinen Mülltonnenwürfen bin ich oft nicht einverstanden, mal ehrlich gesagt. Wenn er allerdings einen Roman in seiner Sendung „Druckfrisch“ ausgesprochen lobt, handelt es sich fast immer um ein Werk, das auch mir gefallen hat. Friedrich Ani`s Buch »Der namenlose Tag« lobte Scheck nicht nur, nein, er pries ihn geradezu in höchsten Tönen, zu Recht, wie ich sagen muss. Dass dieses Werk nun auch noch die Auszeichnung „Deutscher Krimipreis 2016“ erhielt, adelt sowohl Buch als auch Autor, denn das Renommee dieses Literaturpreises ist enorm.
»Der namenlose Tag« ist in der Tat ein Meisterwerk mit unglaublichem Tiefgang; auch Nicht-Krimilesern möchte ich diesen Titel ausgesprochen ans Herz legen, denn es handelt sich zwar thematisch tatsächlich um einen Kriminalfall, doch spielt das bei diesem Roman eher eine untergeordnete Rolle. Wir haben es mit einem Werk zu tun, das sich allein sprachlich schon so sehr von bluttriefenden und gewaltbetonten Bestsellern unterscheidet, dass einen nicht wundert, auf dem Cover den Verlagsnamen Suhrkamp zu lesen. Ferner wundert es nicht, dass der große Regisseur Volker Schlöndorff eben begonnen hat, den Roman zu verfilmen. Ganz große Literatur also, ehrlich!
Worum geht es?

Der unlängst pensionierte Kriminalkommissar Jakob Franck erhält Besuch von Leonhard Winther, dessen siebzehnjährige Tochter Esther sich vor zwanzig Jahren im Nymphenburger Park erhängt hatte. Franck hatte damals zwar nicht mit dem Fall zu tun, übernahm aber die ungeliebte Aufgabe, die Todesnachricht in Esthers Elternhaus zu überbringen.
Nun bittet ihn Winther, Franck möge sich mit Esthers Tod noch einmal beschäftigen; nach zwanzig Jahren sei Winther fest davon überzeugt, dass der Selbstmord in Wahrheit Mord gewesen sei und der Schuldige ungestraft herumliefe.
Die Akten lassen jedoch keine Zweifel auf Fremdverschulden zu.
Trotzdem arbeitet sich Jakob Franck in die familiären Umstände der Familie Winther ein und gerät dabei in einen eigentümlichen Sog psychologischer Neugierde. Diesen Sog überträgt Friedrich Ani meisterlich auf die Leser, deren alter ego Jakob Franck zu sein scheint.
Ani ist ein vorzüglicher Formulierer („Sogar sein Lächeln trug Dienstkleidung.“), er neigt eher zur Unter – denn zur Übertreibung, und drastisch schildert er nie sondern stets einfühlsam. Ein Menschenkenner, der die Menschen liebt und ihnen ihre Fehler verzeiht.

»Der namenlose Tag« ist ein berührender Roman voller Herzenswärme und in jeder Hinsicht viel mehr als nur ein ausgezeichneter Krimi. Ich wünsche dem Buch ebenso wie Denis Scheck viele begeisterungsfähige Leser.


"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann