Geschichten aus dem Duden

Monatstipp November 2015

Klohs, Peter: Geschichten aus dem Duden

Verlag: Verlag 3.0
rezensiert von Christian Oelemann

Hohes Gericht, ehrenwerte Monatstippsleser, ich beantrage für den hier in Rede stehenden Angeklagten Peter Klohs, den Verfasser der beiden inkriminierten Bücher »Für Elise« sowie »GADD« nach gründlichster Abwägung aller für und gegen ihn sprechenden Argumente die Höchststrafe, nämlich die Aberkennung sämtlicher Anwärterschaft auf sogenannte Verrisse in den einschlägigen Medien. Ich begründe, wie folgt:
Ein Schriftsteller wie Peter Klohs, nachgewiesener Maßen wiederholt wortgewaltig, darf einfach nicht in den Genuss der öffentlichen Schmähung gelangen, die im Grunde ja nur dazu dient, interessanter zu erscheinen, als man ist. Diese Gunst darf nicht gewährt werden, denn Klohs verursacht bei seinen Lesern fortwährend Schäden an Leib und Seele; an Leib, weil nicht nur meine eigene bescheidene Wenigkeit, sondern auch der renommierte Kulturkritiker Horst Kochmüller sich teilweise dreiviertel krank lachten bei der Lektüre der »Geschichten aus dem Duden«; an Seele, weil sich die messerscharfe Fabulierlogik des Angeklagten in unguter Weise auf das Selbstbewusstsein anderer Schriftsteller auswirkt: besagter Horst Kochmüller hat sogar seine schriftstellerische Arbeit in Gänze eingestellt propter closem. Mit diesem Zeitgenossen könne er seine Zeit nicht mehr als Schriftsteller genießen, so Kochmüller: Klohs sei einfach der bessere, da gäbe es kein Vertun mehr.

Verehrtes Gericht, es ist nachgerade eine Unverfrorenheit, die sich Peter Klohs seiner Leserschaft gegenüber herausnimmt, wenn er sie auf direktem Haupt- oder Nebenholzwege von Velbert nach Kalau führt, auch von Köln (Paul Klee) nach Delaware (Edward Hopper) meinetwegen. Seine Exkurse in die Parapornographie erlauben keine Widersprüche, oder, um mich weniger unmissverständlich auszudrücken: Klohs treibt in den Wahnsinn, hochverehrtes Hauptgericht! »GADD« ist gemeingefährlich, weil gefährlich gemein. Hin- und hergerissen wird man zwischen konvulsivischen Lachschüben und erschütterten Schluchzern, beispielsweise nach Sätzen wie folgendem:
»Eine und eine halbe Sekunde vergeht, in der absolut nichts geschieht. Wir überspringen sie also.«
Pluralis majestatis etwa? Aber mitnichten, Euer Ehren! Sie überspringen ja mit!
Jede der Klohs’schen Geschichten hat ihren spezifischen Reiz, weshalb ich dazu tendiere, keine durch Titelnennung besonders herauszuheben, abgesehen von »Wundertüte« freilich, weil sie nämlich meine persönliche Lieblingsgeschichte ist. Sie handelt von einem Jungen, der sich in einem Laden für Kinderüberraschungen eine Wundertüte kauft. Nach dem Öffnen erscheint ein Geist, der ihm die Erfüllung eines einzigen Wunsches zusichert.
Der Junge wächst heran, wird erwachsen, schließlich sogar alt, hat aber seinen Wunsch noch nicht ausgesprochen. Erst als der Tod naht, ruft er den Wundertütengeist herbei und offenbart sich.
Wie, das verrate ich selbstredend nicht, weil das fulminante Ende der Geschichte typisch für Peter Klohs und seine Art der Geschichtenkomposition ist.

Hohes Gericht, ich beschuldige den Schriftsteller Peter Klohs der augenscheinlichen Fulminanz.
Wie heißt es doch so zutreffend im Motto des berüchtigten Hosenbandordens von 1348: Honi soit qui mal y pense. Bravo, Herr Klohs!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann