Null bis Unendlich

Monatstipp September 2015

Lena Gorelik: Null bis Unendlich

Verlag: Rowohlt
rezensiert von Christian Oelemann

Also, das ist ja wohl die Höhe! Da legt diese Lena Gorelik ihrem meisterhaften DIE LISTENSAMMLERIN noch eins drauf! Mit NULL BIS UNENDLICH beweist sie, wie sehr auch in der Zukunft mit ihr zu rechnen sein wird. Mit einer Liebesgeschichte, deren einer ihrer Protagonisten Nils Liebe heißt: was für eine Frechheit, vor allem, mit welcher Souveränität sie das durchzieht, Nils, Niels-Tito und Sanela. Um diese Drei geht es in NULL BIS UNENDLICH, um Sanela und Nils sowie Sanelas Sohn Niels-Tito.
Und? Geht sie denn wenigstens gut aus, diese Liebesgeschichte?
Na hören Sie mal, welche Liebesgeschichte geht schon gut aus? In gewisser Weise geht NULL BIS UNENDLICH sogar sehr gut aus, weil Lena Gorelik bis zum letzten Wort meisterlich zu formulieren versteht und eine Intelligenz ausschüttet, die ich oft bei Berufskollegen vermisse.

Nils Liebe kennt Sanela, die als Flüchtlingskind dem jugoslawischen Bürgerkrieg entkam, seit seiner Schulzeit. Das Kümmern um dieses Mädchen, das offensichtlich Grauenhaftes mitgemacht hatte, gibt Nils Liebe , sicherlich ein Sonderling und mit überdurchschnittlicher Intelligenz gestraft, Erfüllung, vor allem, weil er erkennt, dass er nicht allein ist, dass es jemanden gibt, der ihm gewachsen ist. Genau das ist Sanela, die sehr wohl weiß, was sie an ihm hat, es aber auf eine andere Weise verinnerlicht als mit Liebesbewusstsein, geschweige, dass ihr ein (plattes) Liebesbekenntnis über die Lippen käme. Da ist aber die Gorelik vor, denn diese begnadete junge Schriftstellerin reicht sogar ihren beiden erwachsenen, in gewisser Weise durchaus genialen Helden noch die Hand. Dazu ist sie in der Möge.

Lena Gorelik: Vor einigen Wochen fasste ich zusammen,
was ich auf 295 Seiten schrieb:
Der Versuch, jemanden zu lieben,
der anders liebt als man selbst.
Und manchmal den Gedanken zulassen:
Der Versuch jemanden zu lieben,
der einen zu lieben versucht.
Und am Schluss doch erkennen müssen:
Der Versuch jemanden zu lieben,
der einen nicht liebt.
Und ob es ein grundsätzliches
nicht lieben können
ist
oder ein personengerichtetes,
also ein „dich“,
ist im Moment der Erkenntnis
beinahe nicht von Bedeutung.
Eine Inhaltsangabe in vier Sätzen.
Und kein Gedicht.

So, und jetzt wissen Sie bereits, mit wessen Geistes Kind sie es zu tun haben, bevor Sie NULL BIS UNENDLICH lesen. Ich kann Sie nur beglückwünschen!

Ein Roman, der Liebe erklärt; ein Roman, der trotz größter Ernsthaftigkeit heiter stimmt, weil er Liebe erklärt, und zwar nicht nur die zwischen einer Frau und einem Mann, sondern auch die eines Mannes zu einem Kind. Unglaublich!
Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann