Hottentottenstottertrottel

Monatstipp Juni 2015

Wolf Schneider: Hottentottenstottertrottel

Verlag: Rowohlt
rezensiert von Christian Oelemann

Das hatten wir schon lange nicht: eine Autobiographie zum Monatstipp.
Hottentottenstottertrottel ist sie betitelt, mit dem Zusatz: Mein langes, wunderliches Leben.
In der Tat, lang ist es bereits, das Leben des Wolf Schneider; geboren wurde er 1925; an seinem zwanzigsten Geburtstag hätte er sich beinahe erschossen, doch war sein Wille, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen, damals schon zu mächtig; zur Ruhe gesetzt hat er sich auch mit 90 noch nicht; der erste Leiter der Hamburger Journalistenschule lehrte Legionen von Journalisten ihr Handwerk, womit nicht nur der geschliffene Stil der Sprache gemeint ist, sondern auch der Mut und die Fähigkeit, anzuecken, politisch unkorrekt zu sein, wenn es nötig ist.

Wenn sich Wolf Schneider an seine Begegnungen mit Adenauer oder Nixon erinnert, mit der Lollobrigida oder der Riefenstahl, mit Nannen oder Springer, Dutschke und Strauß, hat das nicht nur ungemein Unterhaltungswert sondern es wird daraus geradezu ein Leitfaden zur Betrachtung und Bewertung des zwanzigsten Jahrhunderts.

Dass Wolf Schneider dem Verfasser dieser Zeilen nicht eben sympathisch ist, sei nebenbei zugegeben und wird den Sprachmeister kaum grämen; wer Zeitgeschehen so intelligent analysiert und interpretiert wie Schneider, atmet automatisch die fürs Immunsystem so wichtige, olympische Höhenluft, die uns Normalsterblichen gewöhnlich versagt bleibt.
Auch wenn man seine Meinungen mitunter verabscheut, kann man sich dem Charme ihrer Intelligenz nicht entziehen sondern kommt aus dem Staunen kaum heraus. Wolf Schneider hat eine Vielzahl bedeutender Bücher geschrieben, nicht nur über die Kunst des ehrgeizigen Sprachgebrauchs, auch über Große Verlierer und das Glück, das seit Jahrzehnten zu oft thematisierte, weiß er zu sinnieren wie kein Zweiter.

Hottentottenstottertrottel ist eine spannende, an vielen Stellen humorvolle und in jedem Satz brillante Autobiographie, der ich Abertausende von beglückten Lesern wünsche, auf dass sie verschneidert werden in einer Zeit, von der Tucholsky so weise gesagt hat, es liege auf ihr der Fluch der Mittelmäßigkeit.
Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann