Reisende in Sachen Relativität

Monatstipp März 2015

Rumpl, Manfred: Reisende in Sachen Relativität

Verlag: Picus
rezensiert von Christian Oelemann

Den Nobelpreisträger für Physik Erwin Schrödinger kennen wir heute vor allem wegen einer Katze, die er in einem gedanklichen, physikalischen Experiment zwischen Leben und Tod platzierte. Nicht aber kennen wir Erwin Schrödinger als schillernde Hauptfigur eines Romans, den uns der begnadete steiermärkische Schriftsteller Manfred Rumpl in seinem wortgewaltigen neuen Buch unlängst vorstellt. Den Schrödinger, der eben kein Fachidiot war, wie man es Geistesgrößen aus den Naturwissenschaften gerne unterstellt, sondern ein in allen künstlerischen, philosophischen und wissenschaftlichen Disziplinen überaus bewanderter Erotomane, der oft zu viel trank und rauchte und bei aller Genialität nichts als ein Mensch auf der Suche war: nach Liebe, Anerkennung, Geborgenheit, Berauschung und Klarsicht. Geradezu besessen von der THEORIE VON ALLEM, einer umfassenden Darstellung der Welt in ihrem Innersten, wird er zu einem Weggefährten des ähnlich angetriebenen Albert Einstein – ebenfalls nicht nur Nobelpreisträger sondern auch Rumpls Romanfigur. Es ist eine rastlose Lebensreise durch die Kontinente, die Schrödinger antritt. Wir dürfen ihn über knapp 300 Seiten begleiten – eine Ehre fürwahr.
Es ist die Zeit des rasant anschwellenden Nationalsozialismus, die Erwin Schrödinger entgegentickt, eine Bremse für Freigeister wie ihn und Einstein allemal.
Manfred Rumpl führt seine Leser meisterlich in eine Welt ein, die uns heute zum Glück wie eine vergangene vorkommt, auch wenn sich am Rande Europas beängstigende Entwicklungen vollziehen.
Ihm und dem Picus-Verlag, der uns REISENDE IN SACHEN RELATIVITÄT zum Geschenk macht, fühle ich mich zu herzlichem Dank verpflichtet, denn lange schon war es mir nicht mehr vergönnt, dermaßen abzutauchen in die Tiefen des Verstands , und das vermittels einer ausgesprochen bildhaften, immer jedoch klaren Sprache, die mich beglückt und mitunter sogar leicht neidisch stimmt.
Zwei Beispiele :
Trotz der vielen Krüppel, die als Memento mori durch Gassen und Straßen hinkten, verblasste der Krieg in gewissen Momenten zu etwas Unwirklichem: Schau, dort spielen schon wieder Kinder! (Seite 94).
Mitte der zwanziger Jahre waren die ersten Quantenphysiker von Kollegen, die deren Arbeit zu schätzen wussten, für den Nobelpreis nominiert worden, doch es dauerte noch ein paar Jahre, bis der Druck auf das schon etwas senile, hinter dem Mond der Ignoranz lebende Komitee dafür sorgte, den ersten aus diesem Fach mit jenem Preis zu bedenken, der für nützliche Erfindungen gedacht gewesen war. (Seite 148).

Großartig, Manfred Rumpl!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann