BruderTod - Ein Kinderleben

Monatstipp November 2014

Zeller, Michael: BruderTod - Ein Kinderleben

Verlag: Brockmeyer
rezensiert von Christian Oelemann

BruderTod - Ein Kinderleben heißt das neue Buch des seit knapp zwei Jahrzehnten in Wuppertal lebenden Schriftstellers Michael Zeller. Es geht der Frage nach, warum sich Michaels um fünf Jahre älterer Bruder Hellmut Anfang 1957 den Tod gab (nicht etwa Selbstmord beging - Michael Zeller ist diese sprachliche Unterscheidung wichtig!). Es gibt weder einen Abschiedsbrief noch andere eindeutige Belege für das seelische Befinden des Siebzehnjährigen vor seiner beschlossenen Tat. "Statt seine französische Lektion zu lernen, sägte Hellmut in der Küche mit einer Stahlsäge den Stutzen der Gasleitung auf. Einen Anschluß gab es nicht. Nur dieses Rohr zwischen Kühlschrank und Herd. Mutter hatte sich gegen Gas im Haus gesträubt, weil ihr das zu gefährlich schien."Also war und ist Michael Zeller auf Mutmaßungen angewiesen, und es hat mehr als ein halbes Jahrhundert gedauert, bis er diese verschriftlichen konnte. Was für ein Glück für uns Leser, die nunmehr ein nicht nur bewegendes sondern auch kluges Stück Autobiographie in Händen halten, das nicht zuletzt durch seine sprachliche Geschliffenheit und seine geschickte Kompositionstechnik trotz des traurigen Inhalts durchaus auch Heiterkeit aufkommen lässt. BruderTod - Ein Kinderleben erzählt die deutsche Geschichte des vom Nationalsozialismus geprägten Jahrhunderts so mühelos, plaudernd beinahe, dass es unbedingt auch von noch jungen Menschen gelesen werden sollte, deren Eltern weit nach dem Krieg geboren wurden. Obwohl es mehr Fragen stellt als Antworten gibt, vermittelt das Buch eine Ahnung vom Leben, die weit über das hinausgeht, was man "er-leben" kann, wenn man nicht genau hinschaut. Ein von Michael Zeller frei gegebenes Zitat aus einem persönlichen Brief an den Verfasser dieses Monatstipps belegt das hervorragend: "Als ich mich endlich dazu durchgerungen hatte, die Geschichte meines Bruders zu erzählen, der sich 1957 umgebracht hat, war ich noch der Meinung, daß es sich um einen Einzelfall handelt. Jetzt, beim Vorlesen aus dem fertigen Buch, spüre ich, wie vielen Menschen sich dabei die Zungen lösen, älteren wie jungen. Wenn ich nicht irre, stehen wir am Anfang einer ganz neuen Sicht auf die Nachkriegszeit in Deutschland. "Dank Michael Zellers großartigem Buch hat auch der Rezensent einen weniger getrübten Blick auf die Jahre seiner Kindheit und Jugend geschenkt bekommen.Zitat Seite 70: Und wie sah es mit der Zukunft aus?Die Nenn-Tante Else aus Berlin hatte ihn noch in ihrem Geburtstagsbrief (vom 11.Oktober 1956) gefragt: "Habt ihr denn über den Vati kein Wort erfahren? Ich hoffe immer so sehr, er würde eines Tages zurückkommen. "Zwölf Jahre nach dem Ende des Kriegs? Zwölf lange Jahre?! "Eines Tages"? Nein. Das Miltenberger Provisorium war beendet worden, weil "Papi"einfach nicht hatte kommen wollen. Mit unserem Weggehen aus Vaters Heimat gaben wir diese Illusion preis, stillschweigend. Was Hellmut in den letzten Jahren schon geahnt haben mochte, gegen allen Widerstand seiner Seele: Jetzt wußte er's,

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann