Roman ohne U

Monatstipp September 2014

Judith W. Taschler: Roman ohne U

Verlag: Picus
rezensiert von Christian Oelemann

Nein, ein Zufall ist es nicht, dass in Judith Taschlers neuem "Roman ohne U" von einem meiner Lieblingsromanhelden aller Zeiten die Rede ist – von Wilbur Larch aus John Irvings "Gottes Werk und Teufels Beitrag" nämlich. Beim Lesen ihres beglückenden Buchs musste ich an weitere Romane denken, die mir über die Jahre hinweg ans Herz gewachsen sind – Ketil Björnstads "Villa Europa" etwa, oder Milan Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins". "Roman ohne U" hat für mich die Qualität dieser herausragenden Meisterwerke, und es ist überaus erfreulich, festzustellen, dass sich eine Schriftstellerin nach so beeindruckenden Vorgängern wie "Sommer wie Winter" und "Die Deutschlehrerin" (beide Monatsstipps auf www. buchkultur.de) sogar noch steigern konnte. Das einzige, das ich "Roman ohne U" vorwerfen könnte, wäre, dass er zu einem Schluss kommt und den Leser mit Entzugserscheinungen zurücklässt.
Die Geschichte ist so breit angelegt, dass es mir frevelhaft vorkommt, einzelne inhaltliche Begebenheiten zu erwähnen. Stattdessen zitiere ich aus dem Klappentext:„Am 21. Dezember 2012 hätte die Welt untergehen sollen. Für die meisten Menschen war es bloß ein Tag wie jeder andere. Die Welt von Katharina Bergmüller hingegen brach zusammen. Gerade erst schien es, als wäre es ihr gelungen, ihrem unbefriedigenden Leben eine neue Richtung zu geben und das Glück zu finden – da stirbt ihr Mann bei einem Verkehrsunfall. Erst nach und nach erschließt sich Katharina, durch welche Geheimnisse ihr Schicksal mit dem einer im sowjetischen Gulag verschollenen Pianistin und mit dem einer Architektin verknüpft ist: Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei ihr Schwiegervater …“Das soll genügen.
Judith Taschler gelingt es, ein breites Handlungsgeflecht entstehen zu lassen, bei dem sie zu jeder Zeit die Fäden in der Hand hält, mal eher locker, dann durchaus streng. Mindestens drei Bände hätte sie mit ihrer Ideenfülle aus Roman ohne U machen können; dank ihres schriftstellerischen Könnens ist es einer gewordenSie kennen gewiss das Gedankenspiel mit jener einsamen Insel, auf die man verbannt wird und darf dorthin nur wenige Bücher mitnehmen. Roman ohne U wäre bei meiner Verbannung ganz sicher im Gepäck.Mein herzlicher Dank gilt neben Judith Taschler dem hervorragenden Picus Verlag, der erkannt hat, welche Perle er im Fundus seiner Autoren besitzt.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann