Yaron

Monatstipp Juli 2014

Elisabeth Wintermantel: Yaron

Verlag: Verlag 3.0
rezensiert von Christian Oelemann

Wieder einmal gibt es das Debut eines Neulings der Literaturszene zu bestaunen: das der süddeutschen Schriftstellerin Elisabeth Wintermantel, die mit ihrem Roman Yaron die Messlatte für zukünftige Werke bereits sehr hoch legt; es gelingt ihr famos, luzide und stringent zu erzählen, ohne dabei Wertungen mitzuliefern. Moralische Kriterien wie gut und böse gibt es bei Wintermantel nicht; ebenso wird nicht über falsch und richtig entschieden, wohl aber stellt sich in Yaron durchgängig die Frage, wer für wen (und in welchem Umfang) Verantwortung tragen kann. Der Leser wird somit von der ersten Seite an in die Handlung einbezogen – ein schriftstellerischer Kunstgriff, den viele namhafte Autoren nur vermittels suspense und thrill zu leisten vermögen. Wintermantel hat das nicht nötig. Sie pariert allgemeingültig zu beantwortende Fragen an das Leben mit einer Geschichte, die sie in aller Ruhe erzählt.
Worum geht es in dieser Geschichte?¬
Der gut behütete Jonathan gerät durch sonderbare Umstände (köstlich, aber das muss man beim Lesen erleben!) in Kontakt zu einem fast gleichaltrigen Jungen namens Yaron.
Aus Russland stammend hält Yaron sich nun in Deutschland auf, um auf seine jüngere Schwester Ella achtzugeben. Beider Mutter verdient das Geld für den Familien-Unterhalt als Saisonarbeiterin in der Schweiz. Schnell entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den in jeder Hinsicht verschiedenen Jugendlichen. Das Schicksal des jungen Russen weckt vor allem bei Jonathans Großvater Erinnerungen an die eigene Kindheit; Lothar, Jonathans Großonkel, den er nie kennenlernte, und der sich von Ostpreußen aus 1945 auf die Flucht in den Westen machte, kümmerte sich damals rührend um seinen jüngeren Bruder, litt jedoch unter der Bürde der Verantwortung enorm. Das Interesse, das Yaron und seine „deutsche“ Schwester jetzt nicht nur bei Jonathan wecken, führt zu detektivischen Nachforschungen und letztlich zu einer Hilfsaktion, die mangels verlässlicher Informationen in die falsche Richtung läuft. Eine rasche Lösung für Yarons Problem ist erforderlich, und sie kommt, allerdings anders, als erwartet.
Mich erinnert Elisabeth Wintermantels Buch inhaltlich an Romane von Mirjam Pressler und Hermann Schulz. Sprachlich allerdings nicht, denn sie findet bereits in ihrem ersten Roman einen Ton, der eigenständig ist, den man so noch nie gehört hat.
Dem Verlag 3.0 danke ich für die Entdeckung dieser Schriftstellerin! Auch zu loben: Malte Roß’ vorzügliche Gestaltung des Covers, das Elisabeth Wintermantels Geschichte kongenial erfasst.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann