Himmler privat - Briefe eines Massenmörders

Monatstipp Juni 2014

Himmler, Katrin: Himmler privat - Briefe eines Massenmörders

Verlag: Piper
rezensiert von Christian Oelemann

Bislang unbekannte Privatdokumente und Briefe des ehemaligen Reichsführers SS Heinrich Himmler sind in Tel Aviv unter dem Bett eines gewissen Charim Rosenthal aufgetaucht. Diese verarbeitete die israelische Regisseurin Vanessa Lapa zu ihrem Film Der Anständige.
Der Geschichtswissenschaftler Michael Wildt und Katrin Himmler, die Großnichte des ehemaligen SS Reichsführers, ordneten und kommentierten diese Dokumente und gaben sie unlängst bei Piper heraus. Ich kann dieses Buch nur dringend empfehlen, und garantiere dem Leser ein Wechselbad erschütternder Eindrücke.
Da der jung verlobte Siebenundzwanzigjährige einen zeitraubenden Job hat, gerät seine Marga 1928 schon mal ins Nörgeln: Warum gehst Du zu einer Hitlerversammlung, Du weißt doch, was er redet? Himmler antwortete darauf: In die Hitlerversammlungen muss ich doch, ich veranstalte doch diese Versammlungen und bin mitverantwortlich dafür. Das war er wohl, der studierte Landwirt und sukzessive Profipolitiker.
Himmler beklagte sich bei seinem Liebchen oft über den Stress, dem er ausgesetzt war. Wenn ich nur ein bisschen mehr Zeit und Ruhe hätte.
Es konnte dem karrieregeilen Macher sogar passieren, dass er den eigenen Hochzeitstag verschusselte, weil die Tagesgeschäfte ihn überforderten, 1941 beispielsweise, als Hitler die Sowjetunion überfiel. Marga riet ihm: Im Eisschrank steht noch eine Büchse Kaviar. Nimm die.
Vier Jahre später war es mit Kaviar und Karriere allerdings endgültig vorbei. Himmler jedoch tröstete das Liebchen bis zuletzt, noch am 17. April 1945 schrieb er ihr:
Und doch – es wird, das ist mein fester Glaube, sich alles doch noch zum Guten wenden. Aber schwer ist es.
Hannah Arendt nannte ihre Schrift über Adolf Eichmann Die Banalität des Bösen; an diesen Titel muss man zwangsläufig denken, wenn man sich vor Augen führt, was den ehemaligen Reichsführer SS Heinrich Himmler privat beschäftigte. Wäre es nicht so bestürzend, könnte man an einigen Stellen sogar laut auflachen.
Derartig privater Stoff existiert über Goebbels und Hitler nicht, wohl aber über den Planer und Organisator des Holocausts. (Ich fahre nach Auschwitz. Küsse.) Die Sicht auf Himmlers nicht öffentliche Seite fasziniert nicht etwa, wie es beim Schauen unter Prominentenröcke oftmals der Fall ist, nein, sie bagatellisiert auf erschütternde Weise.

Liebi gutes, ich werde mir, da ich mir wahrscheinlich im August doch einen längeren Urlaub nicht nehmen (kann) immer wieder dazwischen 1 Tag nehmen, damit wir die Arbeit in unserem Garten fertig bringen. Also nicht traurig sein.
Küsse u. streichle unser Bengelein von mir.

Ich sehe dich vor mir u. umarme u. küsse dich
Dein Mann

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann