Der Sommer der Wildschweine

Monatstipp Mai 2014

Vanderbeke, Birgit: Der Sommer der Wildschweine

Verlag: Piper
rezensiert von Christian Oelemann

Milan und Leo leisten sich zum ersten Mal, seit ihre Tochter nicht mehr klein ist, Urlaub. Die
Wirtschaftskrise(n) überstanden sie mit Ach und Krach, wähnten sich bereits mehrere Male am Ende, hielten jedoch immer zusammen.
Allmählich haben sie sich wieder daran gewöhnt, am aktiven Leben teilzunehmen, was jedoch eine trügerische Gewohnheit ist, wie ihnen im Languedoc nun bewusst wird.
Die ersten Ferientage sind Milan und Leo noch mit ihren Jobs beschäftigt und bewegen sich im Internet, doch nach einem heftigen Sommergewitter gibt es plötzlich kein Netz mehr: kein Strom, kein Trinkwasser, die Straßen sind überflutet, Ausnahmezustand.
Ein Nachbar versorgt sie mit dem Nötigsten und schickt sie zu einem alten Ehepaar,
das in der Nähe ein wenig Landwirtschaft betreibt und Angorakaninchen züchtet, deren Wolle, davon versteht Leo eine Menge, fantastisch ist.
Man kann nur hoffen, dass die beiden Alten nicht auch von den Wildschweinen heimgesucht werden, die in diesem Sommer die Gegend verwüsten. Scharenweise kommen sie aus den Cevennen bis hinunter in die Dörfer und Gärten. Das ist jedoch kein Zufall, denn in den Bergen wird nach Schiefergas gebohrt. Fracking nennt man dieses höchst gefährliche und umstrittene Verfahren. Die Tiere sind die ersten, für die das Konsequenzen hat. Aber nicht nur für sie. Hat die alte Engländerin, die seit ein paar Jahren in der Nähe wohnte und von heute auf morgen spurlos verschwand, zu viele Fragen gestellt?
Eine Welt im Umbruch, ohne dass man es merkte. Milan und Leo wird
klar, dass die eigentliche Krise, die sie im idyllischen Languedoc hinter sich lassen
wollten, noch lange nicht zu Ende ist. Und es ist mehr als fraglich, ob sie je
in ihr altes Leben werden zurückkehren können.

Dieser hoch spannende, überaus brisante Roman hat atmosphärisch einen Vorgänger in einem anderen Roman der Vanderbeke, „Die Frau mit dem Hund“ nämlich, Seit Jahrzehnten versorgt die in Südfrankreich lebende Schriftstellerin die deutsprachige Literaturszene mit Arbeiten, die allesamt sprachgewaltig sind und von einer klugen Mitmenschlichkeit zeugen, wie ich sie noch bei keinem anderen Romanautor in dieser Fülle angetroffen habe.
Birgit Vanderbeke, eine der ganz wichtigen deutschen Literaturstimmen, meldet sich leise und doch nachdrücklich mit einem neuen Meisterwerk zu Wort: Der Sommer der Wildschweine

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann