Funny girl

Monatstipp März 2014

Anthony McCarten: Funny girl

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann

Der Neuseeländer Anthony McCarten zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten und unterhaltsamsten Autoren des Diogenes-Verlags. Mit seinem neuen Roman „Funny girl“ hat er erstmalig auch mein Herz erobert, und das gründlich!
Sie ist wirklich ein komisches Mädchen, die Heldin mit dem Namen Aime Gevas bzw. schlicht „Azime“, wie sie sich selbst bei ihren Auftritten als Comedian auf der Bühne nennt. Zwanzig Jahre alt ist sie, dazu von kurdisch-muslimischer Herkunft, und sie lebt von klein auf in einem heruntergekommenen Vorort Londons; ein wenig Geld verdient sie im Möbelladen ihres Vaters, der kurz vor der Pleite steht. Nicht ihre finanzielle Abhängigkeit macht ihr das Leben schwer, sondern die Verkupplungsversuche ihrer Mutter, die bereits das Gespenst der „Alten Jungfrau“ beschwört. Azime erzählt gerne Witze, was in ihrer Familie nicht gerade auf Begeisterung stößt. Es ziemt sich nicht für eine Frau, komisch zu sein, bei aller Liebe! Doch Azime ist leider ganz aus der Familienart geschlagen, missachtet nahezu alle traditionellen Konventionen und gerät dadurch in das Dilemma, Familie, Fundamentalismus, kulturelle Identität und Moderne nicht unter einen Hut bringen zu können. Ihr mitunter bissiger Humor ist da Azimes einzige Rettung.
Sie freundet sie sich mit dem gleichgesinnten Deniz an. Durch den empörenden Tod einer kurdischen Schulfreundin sowie durch die Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn alarmiert, wagt sich Azime, an einem Kurs für Nachwuchs-Comedians teilzunehmen; bald schon steht sie als erste muslimische Comedian auf die Bühne. Azimes Markenzeichen: die von ihr im Alltag eigentlich verhasste Burka. Was für eine Wirkung sie ausübt! Ihre provokanten, nicht immer jugendfreien Texte bekommen dieserart verschleiert eine kolossale Wirkung, und dank Facebook und Twitter erreicht sie in kürzester Zeit eine nahezu unglaubliche Popularität.
Allerdings verschafft sie sich nicht nur Freunde, wie sich denken lässt. Oh nein! Vor Morddrohungen gegen sie wird nicht zurückgeschreckt.
Azime wünscht sich rasch ihre Anonymität zurück, aber einmal eingeschlagen lässt sich ihr neuer Weg nicht so einfach stoppen. Und sie erlebt eine Überraschung: ausgerechnet ihre Familie, die sie um ein Haar verstoßen hätte, steht ihr zur Seite, als es hart auf hart kommt.
Wunderschön, diese Geschichte! An keiner Stelle unglaubwürdig, höchst intelligent und komisch dazu, wie bereits der Titel nahelegt Ein glänzender Roman, für den man Anthony McCarten nur danken kann!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann