Die Murau Identität

Monatstipp Februar 2014

Alexander Schimmelbusch: Die Murau Identität

Verlag: Metrolit
rezensiert von Christian Oelemann

Am 12. Februar 2014 ist der fünfundzwanzigste Todestag Thomas Bernhards – Anlass für Alexander Schimmelbusch, sich einen Jux zu machen. Und was für einen!
Er schlüpft in die Haut eines vor dem Nichts stehenden Journalisten namens Schimmelbusch, der kurz vor seinem beruflichen und finanziellen Ruin noch einmal Morgenluft wittert, als ihm die versiegelten Reiseberichte des Verlegers Siegfried Unseld in die Hände fallen. Und was er darin entdeckt, kommt einer Sensation gleich, die an Unterhaltungswert erheblich mehr zu bieten hat als der jahrelange Streit im Hause Suhrkamp, dem deutschen Verlag des großen Thomas Bernhard. Dessen Tod im Jahre 1989 war nämlich lediglich inszeniert. In Wahrheit hatte sich der alte Meister vermittels einer experimentellen Antikörperbehandlung von seiner für unheilbar gehaltenen Autoimmunerkrankung erholt und lebte im New Yorker Plaza Hotel, freilich unter dem angenommenen Alias Franz-Josef Murau. Dort las er vergnügt all die Nachrufe auf ihn.
Siegfried Unseld hatte ihm finanziell unter die Arme gegriffen und traf seinen Starautor, der mittlerweile sogar geheiratet hatte, gelegentlich, um sich nach dem Fortschritt des letzten großen, selbstverständlich autobiografischen Romans zu erkundigen, derweil die Welt annahm, dass Bernhard auf dem Grinzinger Friedhof in Wien seine letzte Ruhe gefunden hätte.
Schimmelbusch trifft in New York den global player Esteban Bernhard, der freilich vom Überleben seines Vaters keine Ahnung hat, Schimmelbusch aber in seinem Verdacht bestätigt.
Unselds Reiseberichte führen ihn nach Tramuntana auf Mallorca, wo sich Bernhard mittlerweile niedergelassen hat. Dort begegnet der Journalist einem eleganten alten Herrn, der alles, was ihm einst wichtig gewesen war, der Auslöschung preisgegeben hat.
Das ist fürwahr ein starkes Stück, ein Schelmenstreich, aber dermaßen glaubwürdig erfunden, dass es eine einzige Freude ist. Schimmelbusch kennt sich in der Vita Bernhard minutiös aus und ist auch dem mitunter unverschämten Witz des großen Empörers entlarvend auf die Schliche gekommen.
Die Murau Identität hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert, weshalb ich den Roman all jenen herzlich empfehlen möchte, die auch mal eine Prise Salz vertragen.
Erschienen ist das köstliche Buch im noch jungen Metrolit-Verlag, dem ich für diese mutige Herausgabe danken möchte.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann